Seit 19 Monaten unterwegs

Was haben wir gemacht im Monat September, unserem neunzehnten Reisemonat?

Wir haben Vietnam per Fahrrad erkundet! Während unseres entspannten Housesits in Bangkok kam uns diese verrückte Idee und sie wurde wenige Wochen später zur Realität, als wir uns in Ho Chi Minh City (HCMC), im Süden Vietnams, zwei Räder kauften. Drei Wochen lang fuhren wir mit ihnen insgesamt knapp 1000 Kilometer und erlebten Vietnam so, wie wir es uns erhofft hatten: Fernab der Haupttouristenorte und in Kontakt zu den Menschen vor Ort.

Die meiste Zeit schaffen wir es, auf Parallelstraßen dem Verkehr so gut es geht zu entkommen. Auf den flachen Küstenstraßen ist das Fahren besonders angenehm und schön.

Welche Momente im September werden uns in guter Erinnerung bleiben?

  • Insgesamt 17 Tage sitzen wir im Sattel unserer Fahrräder und strampeln knapp 1000 Kilometer. Die erste Woche folgen wir der Küste in Richtung Norden, doch biegen dann bald schon in die Berge ab. Eine gute Entscheidung.
  • Nachdem an der Küste rosa Drachenfrucht im großen Stil angebaut wird (die hier übrigens überaus lecker schmeckt!), fahren wir im Hochland von Vietnam durch Kaffeeplantagen, die irgendwann von einigen Mais- und vielen Reisfeldern abgelöst werden. Die Mais- und Reisernte ist im vollen Gange und die Straßen werden eng, da eine Fahrbahn häufig zum Trocknen des Reises genutzt wird.
  • Wir treffen nur noch selten Menschen, die Englisch sprechen, doch das tut ihrer Herzlichkeit keinen Abbruch. Häufig fahren wir an winkenden Menschen vorbei, Kindern, die uns mit „helloooo“ grüßen. Wir werden von Roller-, Auto- und Lastwagenfahrern überholt bzw. sie kommen uns entgegen und winken uns, geben (Licht-)Hupe, zeigen den Daumen nach oben oder machen ein Foto von uns. Alles in allem haben wir jede Menge toller Begegnungen mit den Menschen.
  • Angst machen uns nur die Hunde: dreimal werden wir von welchen verfolgt, als sie wild kläffend hinter unseren Fahrrädern herrennen. Zum Glück immer, wenn es gerade bergab geht, so sind wir sie bald wieder los.
1000 Kilometer radeln wir durch den Süden Vietnams. Zweimal packen wir unsere Räder und uns wegen entweder eines extremen Anstiegs oder schlechten Wetters und voller Straßen in den Bus (rosa Linie), alles andere wird geradelt.
  • Die Entscheidung, Vietnam mit dem Fahrrad zu erkunden, ist genau die richtige für uns! Die tägliche Bewegung, früh aufstehen und früh ins Bett gehen und jeden Tag draußen verbringen zu können ist exakt das, war wir mal wieder brauchen.
  • Etwas traurig ist es dann schon, in Hoi An neue Besitzer für unsere Räder zu suchen. Leos Fahrrad geht an eine nette junge Frau, die sich sichtlich über ihr neues Rad freut. Für Sebastians Fahrrad schaffen wir es leider nicht, einen lokalen Käufer zu finden und so geht das Rad wie zuvor abgemacht zurück an den Händler in HCMC.
  • Und auf einmal sind wir wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs… Mit dem Nachtzug fahren wir von Hoi An hoch nach Hanoi. Die Hauptstadt Vietnams überrascht uns positiv: Sie ist quirlig, doch viel entspannter als HCMC, es gibt einen kleinen und zwei große Seen, um die es sich nett herumspazieren lässt und das Essensangebot ist überwältigend.
  • Wir treffen in Hanoi Quýnh und ihren Freund Tom. Quýnh hatten wir vor 14 Monaten in Kirgistan kennengelernt und ihr durften wir unser Gepäck nach Hanoi zuschicken, während wir mit den Rädern unterwegs waren. Jetzt ist es schön, sie nach so langer Zeit wiederzusehen und wir freuen uns sehr, dass sie uns ein paar tolle (Street-) Food Optionen vorstellt.
Quýnh versorgt uns mit tollen Essenstipps und Dank ihr probieren wir am Ende unserer Zeit in Vietnam nochmal ganz neue Gerichte aus
  • Leider müssen wir Hanoi bald bereits wieder Tschüss sagen, denn wir sind auf dem Weg zu einem zweiten Housesit!
  • Es geht zurück nach China – unser mittlerweile dritter Besuch. Erster Stopp ist Nanning, die Hauptstadt der Autonomen Region Guangxi. Obwohl wir noch nie hier waren, ist uns doch vieles von unseren letzten zwei Besuchen in China vertraut und es ist schön, wieder hier zu sein.
  • Mit dem Schnellzug “fliegen” wir mit bis zu 300km/h regelrecht übers Land und kommen gerade mal 4 Stunden nach Abfahrt im 660 Kilometer entfernten Shenzhen an. Hier nun werden wir für eine Woche bleiben.
  • Gerade erst wieder im Land, fällt uns auf wie extrem doch die Unterschiede bei Zugreisen in China sind. Fuhren wir in Xinjiang im Westen Chinas in bis unter die Decke vollgestopften Zügen, in denen wir trotz Platzreservierung kaum noch einen Sitzplatz fanden und in denen zusätzliches Gepäck vom militärisch herumschreienden Zugpersonal mit Schnüren über den Sitzen festgebunden wurde, so sitzen wir jetzt im Deluxezug, der trotz seiner hohen Geschwindigkeit ruhiger als ein deutscher ICE, aber mit der gleichen Lautstärke im Fahrgastbereich (absolut ruhig) und picobello sauber über die Schienen saust.
  • Bei unserem zweiten Housesit hüten wir aktuell zwei süße Katzen und zwei Schildkröten. Statt in einem großen Anwesen wie beim letzten Mal wohnen wir nun in einer 2 ½ Zimmer-Wohnung mitten in einem Golfresort und fühlen uns auch hier gleich wohl.
Nach vielen Tagen des ständigen Weiterziehens dürfen wir in Shenzhen jetzt mal Pause machen und Mayo und der zweiten Katze Possum Gesellschaft leisten

Wie sah es in diesem Monat mit Fettnäpfen, skurrilen Situationen oder Schreckmomenten aus?

  • Die aktive Teilnahme am Straßenverkehr ist in Vietnam immer wieder eine Herausforderung. Die erste war es, unbeschadet durch den verrückten Verkehr HCMC zu radeln. Nun im ländlichen Bereich ist weniger los auf den Straßen, doch wachsam müssen wir immer sein. Grundsätzlich schert man sich nicht darum, was hinter einem passiert. Fast nie wird geschaut, bevor man vom Gehweg auf die Straße fährt oder aus einer Seitenstraße abbiegt und auch beim Spurwechsel ist es die Aufgabe des hinten Fahrenden, rechtzeitig zu bremsen.
  • In Kon Tum, einer Stadt im Hochland Vietnams, übernachten wir in einem kleinen Homestay. Für ein Familienfest sind auch die Schwiegereltern des Besitzers angereist, welche in das Zimmer neben uns ziehen. Bei unserem Frühstück auf der Terrasse leistet uns der Schwiegervater Gesellschaft und uns drängt sich der Eindruck auf, dass es wahnsinnig spannend für ihn ist, was wir so machen. Genau wird begutachtet, was wir essen, interessiert beobachtet er jede unserer Bewegungen und starrt uns an. Als es uns fast schon zu viel wird, lächelt er uns nett an und fasst Sebastian an die Wange. Begeistert streichelt er ihm über den Bart und nickt anerkennend.
  • Wir halten am Straßenrand für ein Foto an, ein Lastwagen überholt uns. Es gibt ein schmatzendes und klatschendes Geräusch – toll: Der Lastwagen ist in hohem Tempo durch einen frischen Kuhhaufen gefahren, der nun in Teilen an Sebastians Satteltasche und seinen Beinen klebt…
  • Mit einem Kleinbus fahren wir von Hanoi nach Nanning in China. Wir sind nur vier Fahrgäste und es ist angenehm ruhig im Bus. Solange, bis unser Mitfahrer sich Dank Internet im Bus ein Volleyballspiel in voller Lautstärke anhört. Als der Busfahrer irgendwann das Internet ausschaltet, muss unser Mitfahrer auf bereits auf dem Handy vorhandenes Material zurückgreifen und schaut sich – immerhin mit nun leiser Lautstärke – für ein Weilchen einen Pornofilm an.
  • Da wir schon zweimal in China waren, glauben wir zu wissen, wie wir uns auf langen Zugfahrten gut verpflegen können: Mit der überall erhältlichen Instant-Nudelsuppe im großen Pappeimer. Überraschend sind wir im Schnellzug nach Shenzhen aber die Einzigen, die eine solche Suppe dabei haben und es ist Sebastian schon fast ein wenig unangenehm, sie am Heißwasserspender aufzufüllen. Ob es im Osten doch anders läuft als im Westen und der Mitte des Landes?
Nicht skurril, sondern im Gegenteil überaus praktisch gestaltet sich die Trinkwasserversorgung während unserer Radtour: Fast überall haben Hotels, Restaurants und Privatpersonen solche Wasserkanister, die sehr günstig zu kaufen sind. Dadurch, dass sie mit einer Plastikhülle versiegelt sind, sehen wir schnell, ob das Wasser noch von der Fabrik stammt oder selbst nachgefüllt wurde. Und überall dürfen wir unsere Flaschen kostenlos auffüllen.

Unser Fazit des neunzehnten Monats:

Der September war ein toller Monat. Anfangs dachten wir noch, wie kompliziert doch alles werden würde, denn schließlich hatten wir nichts: keine Fahrräder, keine Gepäcktaschen, Leo nicht mal ein Funktions-T-Shirt. Am Ende dann war alles ganz einfach. Wir fuhren ein paar Tage lang durch HCMC und statteten allen uns bekannten Fahrradläden einen Besuch ab, doch dann ging es schnell. Innerhalb von 2 Tagen hatten wir Räder gekauft, Packtaschen, Trinkflaschen, Funktions-T-Shirt und sogar Radlerhosen!

Was wir uns davon mitnehmen? Einfach machen, es wird schon werden. Und wir sind froh und glücklich, dass wir uns getraut haben und im September einfach mal „gemacht haben“. Die Radtour war – wie nun schon ein paar mal erwähnt 🙂 – toll und bestimmt war es nicht unsere letzte.

Nun aber freuen wir uns auch, zurück in China zu sein und zum ersten Mal die Ostküste zu besuchen. Gefühlt befinden wir uns nun schon auf der Zielgeraden zu unserem Containerschiff, welches in einem Monat ablegen soll. Doch erreicht uns prompt heute eine Nachricht, dass sich die Abfahrt des Schiffs um sieben Tage verzögern wird und so sind wir gespannt, welche Änderungen noch auf uns warten werden…

Unsere Erwartungen an die Radtour haben sich voll und ganz erfüllt. Gut, dass wir das gewagt haben!

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