Nachhaltig reisen

Leo und Sebastian stehen mit ihren Fahrrädern auf dem Tempelhofer Feld in Berlin.

Nachhaltig reisen – geht das überhaupt? Ab wann ist eine Reise eigentlich nachhaltig?

Als wir im März 2017 zu unserer Weltumrundung aufbrachen, wollten wir den ökologischen Fußabdruck unserer Reise so gering wie möglich halten. Aus diesem Grund entschieden wir uns, während dieser Zeit komplett auf das Flugzeug zu verzichten und stattdessen hauptsächlich öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Im Laufe unserer Reise lernten wir, dass nachhaltiges Reisen mehr ist, als „nur“ der Verzicht aufs Flugzeug. Um Ressourcen zu schonen und an den von uns besuchten Orten möglichst keine umweltschädlichen Spuren zu hinterlassen, integrierten wir mit der Zeit immer mehr Verhaltensweisen in unseren Reisealltag, die uns dabei helfen, möglichst nachhaltig unterwegs zu sein. Obwohl wir uns sehr bemühen, sind wir dabei natürlich nicht perfekt.

In diesem Artikel teilen wir mit dir, wie wir es schaffen, möglichst nachhaltig zu reisen und stellen dir unsere besten Nachhaltigkeits-Tipps aus fast 3 Jahren Weltreise vor.

1. Gründe für nachhaltiges Reisen

Weshalb ist es uns wichtig, möglichst nachhaltig zu reisen?

Reisen ist für uns ein Privileg. Um als Tourist die Welt entdecken zu können, braucht es Zeit, Geld, einen von möglichst vielen Ländern akzeptierten Reisepass, ein wenig Mut und die Freiheit, während der Dauer der Reise zu Hause keine wichtigen Verpflichtungen zu haben. Reisen ist unser Hobby, unsere Leidenschaft. Wir können es nicht mit unseren Werten vereinbaren, dass nur, damit wir eine schöne Zeit haben, Reiseziele unter unserem Besuch leiden oder das Klima geschädigt wird.

Mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen wir uns nicht erst seit dieser Reise. Auch in unserem Alltag in Deutschland versuchen wir, Ressourcen zu schonen, Müll zu vermeiden und so weit wie möglich auf Plastik zu verzichten. Diese Lebenseinstellung haben wir auf unsere Reise mitgenommen und Stück für Stück in unseren Reisealltag integriert.

Nachhaltig zu leben ist unterwegs jedoch oft viel schwieriger als daheim. In vielen Ländern gibt es kein mit Deutschland vergleichbares Recyclingsystem und man kann sich kein sicheres Trinkwasser aus dem Wasserhahn abfüllen. Für uns bedeutet das, dass wir uns unterwegs immer wieder neu informieren müssen, welche Möglichkeiten es zum nachhaltigen Reisen und Leben an einem Ort gibt.

Auf einer kleinen Straße wird Plastikmüll im Feuer verbrannt.

2. Reisen ohne zu fliegen

Wie kommst du an den Ort deiner Träume? Gibt es da nur das Flugzeug?

Wahrscheinlich denken viele zuerst an das Transportmittel Flugzeug, wenn sie planen, in ein weit entferntes Land zu reisen. Per Round the World Ticket kann man auf einer Weltreise in einem definierten Zeitraum viele verschiedene Orte besuchen und fliegt dabei mit dem Flugzeug immer von einem Land ins nächste. Eine solche Reise ist gut planbar und auch die Kosten stehen vor Reisebeginn bereits genau fest.

Doch es geht auch anders. Wer ohne Flugzeug reist, ist individueller unterwegs und hat dadurch eine ganze Menge Vorteile.

2.1 Vorteile beim Reisen ohne Flugzeug

Fliegen ist schlecht fürs Klima. Durch den hohen CO2-Ausstoß, den Flugzeuge verursachen, wird die Erdatmosphäre erwärmt, Eismassen schmelzen, der Meeresspiegel steigt an. Menschen und Tiere verlieren ihren Lebensraum, ganze Arten sterben aus. Beim Reisen auf das Flugzeug zu verzichten, schont Ressourcen und vor allem das Klima.

Neben den positiven Auswirkungen auf das Klima bietet der Verzicht aufs Flugzeug aber noch weitere Vorteile: Wer über Land reist, hat ein intensiveres Reiseerlebnis. Statt abgehoben in wenigen Stunden von einem Ort zum nächsten zu gelangen, erlebt man beim Überlandreisen, wie sich Landschaften, Kulturen, Sprachen und Geschmäcker im Verlauf der Reise langsam ändern.

Wir selbst möchten das Reisen über Land nicht mehr missen. Für uns ist es ein Privileg, langsam unterwegs sein zu können, erleben zu dürfen, wie die Menschen vor Ort reisen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, wenn wir gemeinsam mit ihnen in den öffentlichen Verkehrsmitteln ihres Landes unterwegs sind. Dadurch, dass wir ohne Flugzeug Länder nicht einfach „überspringen“ können, haben wir immer wieder die Gelegenheit, Gegenden zu bereisen, über die wir vorher fast nichts wussten und die sich als wunderbare und spannende Reiseländer entpuppen. So zum Beispiel Tadschikistan und Pakistan.

Ein weiterer Vorteil des Verzichts auf das Flugzeug: Du sparst Geld. Normalerweise ist es wesentlich günstiger, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, als sich ein teures Flugticket zu kaufen.

Sebastian und Leo stehen mit einem Chinesen vor einem Zug.

2.2 Einschränkungen beim Reisen ohne Flugzeug

Wer ohne Flugzeug reisen will, braucht vor allem eins: Zeit. Will man in seinem zweiwöchigen Jahresurlaub ohne Flugzeug verreisen, muss man entweder in Europa bleiben oder begreift bereits die Anreise zum Zielort als Urlaubserlebnis. Auch ist das Reisen ohne Flugzeug oft weniger gut planbar, da man die alternativen Fortbewegungsmittel nicht für jeden Ort der Welt im Voraus recherchieren kann. Doch unsere Erfahrung zeigt: Menschen reisen immer und überall. Von jedem Ort, den wir auf unserer Weltreise besucht haben, sind wir ohne Flugzeug zum nächsten gekommen.

Bei einer Reise ohne Flugzeug kann es passieren, dass es Länder nicht gestatten, über den Land- oder Seeweg in ihr Staatsgebiet einzureisen. Das bedeutet, dass man das Reiseziel in diesem Fall nicht besuchen kann. Wir selbst machten diese Erfahrung im Jahr 2017, als der Grenzübergang zwischen Indien und Myanmar für Touristen gesperrt war. Also mussten wir unsere Reiseroute umplanen. Auch hätten wir gerne Sri Lanka besucht; jedoch gab es keine Fährverbindung zwischen Indien und Sri Lanka, weshalb wir leider darauf verzichten mussten.

2.3 Alternativen zum Flugzeug

Zum Reisen mit dem Flugzeug gibt es zahlreiche Alternativen. Auf unserer Weltumrundung nutzten wir zur Fortbewegung hauptsächlich öffentliche Verkehrsmittel: Mit Bus, Bahn, geteilten Taxis oder der Fähre kamen wir von A nach B. In Usbekistan, Kirgisistan und Kasachstan waren wir per Anhalter unterwegs. In der Türkei, Thailand, Südkorea, Mexiko und Costa Rica haben wir uns jeweils für ein paar Tage einen Mietwagen geliehen, um abgelegenere Landesteile erreichen zu können. In Vietnam kauften wir uns gebrauchte Fahrräder und fuhren damit in drei Wochen 1.000 Kilometer von Ho-Chi-Minh-Stadt bis nach Hoi An.

Leo und Sebastian sitzen auf ihren Fahrrädern und winken zum Abschied.

2.4 Unser Praxistipp

Du bist dir nicht sicher, ob das über Land Reisen das Richtige für dich ist? Probiere es einfach aus! Eine Reise ohne Flugzeug zu machen ist viel einfacher, als es zunächst erscheinen mag. Zu Beginn unserer Weltumrundung haben wir uns offengelassen, zu fliegen, falls es über Land nicht weitergeht. Doch je weiter wir kamen, desto stärker wurde unser Wunsch, dauerhaft aufs Fliegen zu verzichten. Irgendwann wurde es eine Selbstverständlichkeit. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass man ins Reisen über Land mit der Zeit hineinwächst.

3. Müll und Recycling

Wie kannst du beim Reisen Müll vermeiden oder ihn zumindest richtig entsorgen?

Genau wie daheim, fällt beim Reisen Müll an. Täglich muss man essen, trinken, bekommt im Bus oder Zug einen Fahrschein ausgehändigt und verbraucht Alltagsgegenstände, die eine Plastikverpackung haben (z.B. Shampoo). Am besten ist es, Müll erst gar nicht entstehen zu lassen. Doch immer klappt das leider nicht. Welche Strategien gibt es, beim Reisen mit dem Thema Müll umzugehen?

3.1 Müll vermeiden

Um während einer Reise möglichst wenig Plastikmüll zu verursachen, setzen Leo und ich auf ähnliche Strategien, die wir aus unserem Leben in Deutschland kennen. Statt uns an der Supermarktkasse alle Einkäufe in Plastiktüten verpacken zu lassen, bringen wir unsere Tagesrucksäcke oder eine Stofftasche mit. Ein einfacher aber effektiver Weg, um Müll zu vermeiden. Noch besser als der Einkauf im Supermarkt ist der Besuch lokaler Märkte. Hier ist in der Regel gar nichts in Plastik eingepackt. Dadurch sparst du mit deinem Einkauf Verpackungsmaterial und unterstützt nebenbei die Bauern vor Ort.

In Restaurants oder Cafés bitten wir darum, unser Essen auf wiederverwendbarem Geschirr zu servieren, wenn wir bemerken, dass ansonsten Einweggeschirr zum Einsatz kommt. Ist das nicht möglich, so suchen wir uns ein anderes Restaurant mit einem nachhaltigeren Konzept.

Während unserer Weltreise haben wir an verschiedenen Orten die Erfahrung gemacht, dass bereits wirksame Maßnahmen zur Plastikvermeidung etabliert sind. In San Pedro La Laguna am Atitlán-See in Guatemala ist es beispielsweise seit einigen Jahren im gesamten Stadtgebiet verboten, Plastiktüten auszugeben. Stattdessen bringen die Kunden selbst Behältnisse oder einen Stoffbeutel für ihre Einkäufe mit. Auch gibt es in fast ganz Mittelamerika Initiativen, die Strohhalme aus Plastik verbieten. Eine ausgezeichnete Idee.

3.2 Wasser in Plastikflaschen

Jeder von uns muss Wasser trinken, 2-3 Liter täglich. Zu Hause haben wir die luxuriöse Situation, einfach den Wasserhahn aufdrehen zu können und zu jeder Zeit sicheres Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Auf einer Reise ist das außerhalb von Europa in nur wenigen Ländern der Welt möglich. Oft greifen wir unterwegs zur Einwegplastikflasche, um mit einem sicheren Gefühl unseren Durst stillen zu können. Rechnet man hoch, wie viel Plastikmüll dieses Verhalten täglich verursacht, kommen erschreckende Mengen zusammen. Doch es geht auch anders.

Der einfachste und wirkungsvollste Weg ist es, eine eigene Wasserflasche im Reisegepäck zu haben. Viele Hotels, aber auch kleinere Unterkünfte, bieten ihren Gästen an, sich kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr Wasser aus wiederverwendbaren Pfandkanistern in die eigene Trinkflasche umzufüllen. Bei unserer 3-wöchigen Radtour in Vietnam haben wir die Erfahrung gemacht, dass auch viele Restaurants Wasserkanister haben, von denen sich Gäste Trinkwasser abfüllen dürfen.

Leider kommen wir beim Reisen jedoch nicht komplett ohne Einwegplastikflaschen aus. Wir sind immer wieder in Situationen, in denen wir einfach keine andere Wahl haben, als zur Wegwerfflasche zu greifen. Oft passiert das an Reisetagen, an denen wir am Bahnhof oder Busterminal etwas zu trinken kaufen müssen. Auch während den Ozeanüberquerungen auf dem Containerschiff, bekamen wir fast ausschließlich Trinkwasser in Plastikflaschen. Eine Alternative gab es nicht.

Eine Möglichkeit, um selbst sicheres Trinkwasser herzustellen, ist der SteriPen, den wir in unserem Gepäck haben. Mithilfe einer UV-Lampe werden innerhalb von 90 Sekunden alle Viren und Bakterien aus einem Liter Wasser abgetötet. Vor allem in abgelegenen Gebieten, wie bei unserer Annapurnawanderung in Nepal, eine prima Option. Immerhin haben wir während unserer Weltreise auf diese Art 130 Liter Wasser in Trinkwasser verwandeln können. Der Nachteil: Eventuelle Verunreinigungen wie Schwebstoffe oder unsichtbare Metallablagerungen etc. verbleiben im Wasser. Nach ca. 60 Anwendungen müssen die Batterien getauscht werden.

3.3 Müll richtig entsorgen und recyclen

Beim Reisen angefallenen Müll richtig und sinnvoll zu recyceln ist eine Herausforderung. In vielen Ländern gibt es (noch) keine ausreichende Infrastruktur, die den Müll von Privathaushalten oder Hotels einer sinnvollen Verwertung zuführt. Daher wird der Müll oft nicht getrennt, alles kommt in dieselbe Tonne. Doch fast immer gibt es auch Möglichkeiten zu recyceln – man muss sich allerdings eigeninitiativ erkundigen und gezielt danach suchen.

Häufig werden Plastikflaschen, Papier, Dosen, Glas und Batterien an zentralen Sammelstellen recycelt. Wenn wir auf Reisen für mehrere Tage am selben Ort sind, versuchen wir herauszufinden, wie das lokale Müllsystem funktioniert, damit wir unseren Müll entsprechend trennen, sammeln und abgeben können. Bei unserem House Sit in Guatemala gab es eine Art Müllkalender, von dem wir allerdings nur Dank Gesprächen mit den Nachbarn erfuhren. An festgelegten Wochentagen wurde jeweils eine bestimmte Müllsorte abgeholt.

In Pokhara in Nepal hatten wir vor, die leeren Batterien unserer Stirnlampe an einer Sammelstelle abzugeben. Als wir uns in einem kleinen Laden, der selbst Batterien verkauft, nach einer Abgabestelle informierten, wussten die Mitarbeiter keinen Rat und gaben uns den Tipp, die Batterien doch einfach auf der Wiese nebenan zu vergraben. Mit dieser Antwort wollten wir uns nicht zufriedengeben. Als wir uns bei weiteren Einheimischen erkundigten, erfuhren wir, dass leere Batterien an einem bestimmten Wochentag von der Müllabfuhr eingesammelt werden. Auch dieses Beispiel zeigt, dass es sich lohnt, sich vor Ort zu informieren.

3.4 Unser Praxistipp

Nimm dir auf deine Reise eine Trinkflasche aus einem sicheren Material mit, in die du dir unterwegs Wasser oder andere Getränke abfüllen kannst. Alleine dadurch wirst du dutzende oder gar hunderte Plastikflaschen einsparen und sehr viel nachhaltiger unterwegs sein.

4. Konsum

Gehst du gerne shoppen?

Ob beim Reisen oder daheim, jeden Tag konsumieren wir Dinge. Für eine Reise durch verschiedene Klimazonen ist eine gute Ausrüstung wie (Outdoor-)Kleidung und Wanderschuhe empfehlenswert. Und sind wir dann am Zielort angekommen, lachen uns bunte Souvenirstände an. Bei Konsumgütern lohnt es sich, das eigene Kaufverhalten zu hinterfragen und bewusst einzukaufen.

4.1 Langlebige Ausrüstung

Um unseren Konsum beim Reisen gering zu halten und uns nicht ständig neue Klamotten oder sonstige Ausrüstungsgegenstände kaufen zu müssen, setzen wir auf Qualität. Wir investieren lieber von Beginn an in eine hochwertige Ausrüstung, die möglicherweise etwas teurer ist, als unterwegs ständig kaputte Gegenstände und Kleidung wegschmeißen und durch neue ersetzen zu müssen. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern auch eine Menge Zeit, die wir für andere Dinge verwenden können.

Natürlich bekommen Kleidungsstücke wie T-Shirts, Socken und Unterhosen beim Reisen nach einer viel kürzeren Zeit Gebrauchsspuren, als normalerweise zu Hause, denn man nutzt sie intensiver. Auch wir müssen daher alle paar Monate verschlissene Klamotten ersetzen. Doch Ausrüstungsgegenstände wie Windjacken, Wanderschuhe, Wanderhosen oder Luftmatratzen sind immer noch dieselben, mit denen wir aufgebrochen sind. Für einen genauen Überblick über den Inhalt unserer Rucksäcke schau dir unsere Packliste an.

4.2 Shopping und Souvenirs

Obwohl wir in fremden Ländern gerne über lokale Märkte schlendern und uns das Angebot anschauen, kaufen wir dort nur ganz selten etwas anderes als Essen oder Lebensmittel ein. Mit der Zeit haben wir gelernt, dass wir alles, was wir für die Reise brauchen, bereits im Gepäck haben.  Das Gefühl, unbedingt etwas kaufen zu „müssen“, kennen wir inzwischen nicht mehr. Shoppen als Freizeitvergnügen kommt für uns nicht infrage – wir müssten den ganzen Kram ja sonst ab dem Kauf in unseren Rucksäcken mit uns herumtragen.

Perfekt sind wir allerdings auch nicht und wenn es um besondere Souvenirs geht, die es so in Deutschland nicht gibt, wird Leo trotzdem manchmal schwach. Mittlerweile schlägt sie aber nur noch in den Momenten zu, in denen wir wissen, dass wir bald Freunde oder Familie treffen werden, die die Fundstücke sicher nach Hause befördern können. Seit ihr eine aus Pakistan heimgeschickte Messing-Teekanne aus dem Paket geklaut wurde, ist das Verschicken von Andenken per Post für uns keine Option mehr.

Nächtlicher Souvenirmarkt in Siem Reap.

4.3 Unser Praxistipp

Statt ausgediente Kleidungsstücke bei einer Billigmodekette zu ersetzen, kannst du dich nach einem lokalen Schneider erkundigen. In manchen Ländern ist der Preisunterschied nur sehr gering, die Qualität und Langlebigkeit der maßgeschneiderten Kleidung jedoch sehr viel höher. Durch deine Wahl unterstützt du das lokale Handwerk und erhältst gleichzeitig ein individuelles und perfekt sitzendes Kleidungsstück.

5. Ernährung

Was hat Ernährung mit nachhaltigem Reisen zu tun?

Eines der schönsten und spannendsten Dinge beim Reisen ist für uns das Essen in den verschiedenen Ländern. Nicht selten unterscheiden sich Zutaten, Gewürze und Präsentation von allem, was wir bis dato gegessen haben. Bislang haben wir in jedem Land mindestens ein Gericht gefunden, das uns absolut überzeugt hat. Oft sind wir richtig begeistert von der Küche eines Landes, wie zum Beispiel in Vietnam und China und vermissen schon bald das gute Essen, dass wir dort probieren durften.

Um uns beim Reisen nachhaltiger zu ernähren, achten wir auf Folgendes:

5.1 Regional und saisonal einkaufen

Lebensmittel, die wir zum Kochen oder als Snack zwischendurch brauchen, kaufen wir am liebsten direkt auf  lokalen Märkten, die es fast überall gibt. Dort bieten viele Bauern Obst, Gemüse, Eier, Reis, Hülsenfrüchte und vieles mehr an – meist zu wesentlich günstigeren Preisen als im Supermarkt.

Anstatt Obst- und Gemüsesorten zu kaufen, die wir von daheim kennen, probieren wir gerne lokale Produkte aus. So sind wir inzwischen regelrechte Papaya-Fans geworden, obwohl uns Papaya in der Vergangenheit eigentlich gar nicht geschmeckt hat. Auch haben wir in Malaysia, Thailand und Vietnam immer wieder frisch geerntete Mangosteen und Rambutan gekauft, die wir vor dieser Reise überhaupt nicht kannten.

Durch den Verzehr von regionalen Produkten unterstützen wir beim Reisen nicht nur die lokale Bevölkerung, sondern vermeiden auch lange Transportwege und damit verbundene Umweltbelastungen, die durch importierte Lebensmittel entstehen. Saisonales Obst und Gemüse schmeckt meistens viel besser, da es reif geerntet wurde und nicht über Tage oder Wochen nachreifen musste.

Eine thailändische Frau kauft Gemüse auf einem Markt in Bangkok.

5.2 Fleischkonsum einschränken

Um nachhaltiger zu reisen, essen wir nur sehr selten Fisch oder Fleisch. Viele Meere sind überfischt und der Methanausstoß der Massentierhaltung trägt negativ zum Klimawandel bei. In manchen Ländern wird sogar (Regen-)Wald abgeholzt, um Platz für Weideflächen zu schaffen. Fast immer finden wir unterwegs super leckere fleischlose Alternativen, sodass es sich für uns nicht wie ein Verzicht anfühlt, weniger Fleisch zu essen.

In manchen Gegenden, die wir bereisen, ist es jedoch sehr schwierig, Restaurants mit vegetarischem Angebot zu finden. In Zentralasien essen viele Menschen beispielsweise jeden Tag Fleisch und so gibt es nur wenige vegetarische Gerichte auf der Speisekarte. Auch bei unseren Ozeanüberquerungen auf dem Containerschiff gab es leider kaum vegetarische Alternativen, da die Besatzung gerne zu jeder Mahlzeit Fleisch essen wollte.

Eine Marktfrau verkauft auf einem Markt in Kirgistan Fleisch.

5.3 Unser Praxistipp

Installiere die App Happy Cow auf deinem Smartphone. Happy Cow zeigt dir vegetarische und vegane Restaurants in deinem Umkreis an. Benutzer der App können die Restaurants bewerten und eintragen, welche veganen oder vegetarischen Gerichte dort bestellt werden können. Die App funktioniert besonders gut in Städten. Je nach Land variiert die Dichte der bei Happy Cow registrierten veganen und vegetarischen Restaurants jedoch recht stark.

6. Übernachtungen

Wie schaffst du es, beim Reisen nachhaltiger zu übernachten?

Für die Übernachtungen auf einer Reise denkt man wohl zuerst an ein klassisches Hotel oder Hostel. Doch es gibt noch viel mehr Unterkunftsarten, von denen die meisten sehr viel nachhaltiger sind.

6.1 Camping

Eine der nachhaltigsten Möglichkeiten auf einer Reise zu übernachten ist das Zelt. Auf ausgewiesenen Campingplätzen darf man, meist gegen eine kleine Gebühr, sein Zelt aufbauen und die sanitären Anlagen nutzen. Da das Campingequipment nach dem Aufenthalt wieder im Rucksack verschwindet, hinterlässt man dabei idealerweise keine sichtbaren Spuren. Wildcampen ist in vielen Ländern erlaubt und dann sogar völlig kostenlos. Sobald man gelernt hat, „sein Geschäft“ in der freien Natur zu erledigen, ist man unabhängig von jeglicher Zivilisation.

Falls es sich anbietet, fragen wir in Hostels, ob wir unser Zelt im Garten aufschlagen dürfen und bezahlen auf diese Weise sogar weniger als im Schlafsaal. Die sanitären Anlagen und Aufenthaltsräume dürfen wir trotzdem mitbenutzen. Da meist nur wenige Gäste ein eigenes Zelt dabeihaben, schlafen wir fast immer alleine und haben so keine Probleme mit schnarchenden Zimmernachbarn.

Sehr schöne Plätze zum Wildcampen sind in der App iOverlander zu finden, in der Reisende ihre Übernachtungsorte eintragen und kommentieren.

Im Garten eines Hostels in Almaty dürfen wir unser Zelt aufschlagen.

6.2 Nachtzug oder Nachtbus

Eine nachhaltige und geldsparende Variante der Übernachtung ist das Schlafen im Nachtbus oder Nachtzug. Da man im Zug oder Bus sowohl reist, als auch schläft, entfällt die Übernachtung in einer regulären Unterkunft, was wiederum Ressourcen einspart. Wir bevorzugen den Nachtzug gegenüber dem Nachtbus, da uns im Zug ein richtiges Bett mit Matratze, Kissen und Bettdecke zur Verfügung steht und wir einfach sehr viel mehr Platz haben. Auch lernen wir in Nachtzügen immer wieder tolle Menschen kennen und wurden in Indien sogar zu einer Familie nach Hause eingeladen.

Immerhin 24 Mal haben wir auf unserer Weltreise in Zügen oder Bussen übernachtet und dadurch reguläre Übernachtungen für fast einen ganzen Monat eingespart. Am besten hat das für uns in Kasachstan, Indien, China und Thailand funktioniert, wo wir im Nachtzug viele Reisekilometer zurückgelegt haben. In Mexiko, Indien und dem Iran haben wir Nachtbusse genutzt.

6.3 Eco-Unterkünfte

Um umweltverträglich zu übernachten, kann man nach speziellen Eco-Unterkünften Ausschau halten. Eco-Unterkünfte gibt es in allen Preiskategorien; vom 5-Sterne Luxusresort bis zur einfachen Eco-Lodge mit Komposttoilette ist alles dabei. Gemein haben diese Unterkünfte, dass sie ihr Angebot nach Kriterien der Nachhaltigkeit gestalten, viele Naturmaterialien verwenden, Müll recyclen und auf diese Weise die Umwelt schonen.

Sehr empfehlen können wir die Evergreen Lodge in Nepal, wo wir in einer einfachen, aber sehr gemütlichen Bambushütte übernachtet haben. Toll war auch die Bel Zhan Yurtenlodge am Issykul-See in Kirgistan, die diverse nachhaltige Ansätze in die Praxis überträgt.

6.4 Familiengeführte Unterkünfte

Reisenden, denen unterwegs neben der ökologischen Nachhaltigkeit auch die soziale Nachhaltigkeit wichtig ist, empfehlen wir familiengeführte Unterkünfte zu nutzen. Meist gibt es neben den etablierten Angeboten der großen Hotels auch Optionen, die von lokalen Familien betrieben werden. Durch den Aufenthalt dort hilft man den Menschen, vom Tourismus zu profitieren und eine zusätzliche Einnahmequelle zu haben.

Wir übernachten sehr gerne in familiengeführten Unterkünften, weil wir dort meistens eine ganz andere Beziehung zu den Betreibern aufbauen können und gleichzeitig etwas über das Leben der Menschen vor Ort erfahren. In Kirgistan gibt es ein spezielles Programm namens CBT (Community Based Tourism), das familiengeführte Unterkünfte zu einem fairen Preis an Touristen vermittelt.

Eine Familie betreibt einen Homestay auf dem Pamir Highway in Tadschikistan.

6.5 Couchsurfing und Warm Showers

Wer einen noch engeren Kontakt zu am Reiseziel lebenden Menschen sucht, dem empfehlen wir die Plattformen Couchsurfing und Warm Showers. Bei beiden Angeboten stellen Privatpersonen einen Übernachtungsplatz in ihrer Wohnung zur Verfügung, der sogar völlig kostenlos ist. Die Idee der Plattformen ist, Personen, die gerne Reisen und Interesse am Austausch mit anderen Menschen haben, zu verbinden. Man sollte sich also als Reisender darüber bewusst sein, dass viele Gastgeber gerne Zeit mit ihren Gästen verbringen und sie näher kennenlernen möchten. Es gibt bei beiden Plattformen keine Verpflichtung, selbst Gäste in der eigenen Wohnung aufzunehmen.

Während Couchsurfing sich an alle Reisenden richtet, ist Warm Showers speziell für Menschen gedacht, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Meist befinden sich diese auf einer längeren Radtour und suchen für eine Nacht einen Schlafplatz und einen sicheren Platz für ihr Fahrrad. Uns gefallen beide Übernachtungsangebote, weil sie uns Kontakt zu vor Ort lebenden Menschen ermöglichen, wir sehen, wie sie leben und sie zudem nachhaltig sind: Bestehender Wohnraum wird einfach mitgenutzt.

6.6 House Sitting

Eine weitere Möglichkeit, um unterwegs kostenlos und nachhaltig zu übernachten, ist House Sitting. Dabei passt man auf Häuser und Haustiere von vor Ort lebenden Menschen auf, die für einen vereinbarten Zeitraum in den Urlaub fahren. Da auch beim House Sitting vorhandener Wohnraum genutzt wird, ist diese Unterkunftsart nachhaltiger als ein Hotel oder Hostel.

Für uns ist House Sitting eine ideale Möglichkeit, um bei längeren Reisen eine Auszeit vom Reisealltag zu bekommen und in einem richtigen Zuhause zu wohnen. Da House Sitting immer bekannter wird, steigt die Zahl der angebotenen Sits ständig. Wir haben auf unserer Weltreise bereits Häuser in Thailand, China, Mexiko, Guatemala und Costa Rica gehütet. Falls du mehr über House Sitting erfahren willst, schaue dir unseren Guide “So wirst du zum House Sitter” an.

6.7 Freunde und Bekannte

Als wir zu unserer Weltreise aufgebrochen sind, hätten wir niemals gedacht, dass wir unterwegs 104 Nächte bei Freunden und Bekannten unterkommen würden. Doch immer wieder erhielten wir Einladungen an Orte, die wir besuchen wollten. Auch lernen wir immer wieder andere Reisende kennen, die uns einladen, sie in ihrem Zuhause zu besuchen, sollten wir in ihre Gegend kommen.

So haben wir zum Beispiel eine Woche lang bei einer chinesischen Familie in Qingdao gewohnt, die wir ein halbes Jahr zuvor im 2.600 Kilometer entfernten Kunming kennengelernt hatten. Auch haben wir Hans in Costa Rica besucht, den wir über ein Jahr zuvor in Tibet trafen, haben bei Leos Freundin Anke geschlafen, die in Singapur lebt, verbrachten auf Empfehlung von Sebastians ehemaligem Werkstudenten Max ein paar Tage bei dessen Bruder Georg in Guatemala-Stadt und wohnten bei Norris in Panama-Stadt, der ein ehemaliger Kollege von Sebastian ist.

Wenn wir bei Freunden oder Bekannten übernachten, können wir uns nach Wochen und Monaten, in denen wir jeden Tag neue Leute kennengelernt haben, mal wieder mit Menschen austauschen, die wir schon länger kennen. Das tut gut. Da wir in dieser Zeit bestehenden Wohnraum mitbenutzen, übernachten wir zudem nachhaltiger als im Hotel oder Hostel.

Sebastian und Leo mit Freunden in Singapur.

6.8 Unser Praxistipp

Wir verstehen nachhaltiges Reisen nicht nur im Sinne der Ökologie. Auch die soziale Nachhaltigkeit gehört für uns dazu. Reisen ist für uns mehr als nur ein Abklappern der schönsten Orte der Welt. Für uns sind es vor allem die Begegnungen mit Menschen, die einen Ort besonders machen. Daher versuchen wir, Fremden möglichst offen und unvoreingenommen zu begegnen, um eine Idee davon zu bekommen, wie sich das Leben in den verschiedenen Ländern „anfühlt“ und was die Menschen im Alltag bewegt.

Durch Couchsurfing und WarmShowers haben wir immer wieder die Gelegenheit, für ein paar Tage zusammen mit Einheimischen zu leben, von ihnen zu lernen und uns, sofern die Chemie stimmt, mit ihnen anzufreunden. All diese Erlebnisse und Begegnungen bleiben für uns lebendig, wir vergessen sie auch nach Monaten oder Jahren nicht und bleiben oft über soziale Medien mit unseren Reisebekanntschaften in Kontakt. Dagegen haben wir die Erfahrung gemacht, dass Erinnerungen an Sehenswürdigkeiten und besondere Bauwerke wesentlich schneller verblassen.

Wir können nur ermutigen, selbst einmal bei Privatpersonen zu Hause zu übernachten. Es mag sonderbar anmuten und ist mit einer gewissen Unsicherheit verbunden, doch wir selbst haben immer gute Erfahrungen gemacht. Couchsurfing, WarmShowers und House Sitting basieren alle auf einem Bewertungssystem, bei dem vorherige Gäste/House Sitter ihre Gastgeber bewerten und umgekehrt. Dank dieser Bewertungen konnten wir am Anfang besser aussuchen, wen wir für eine Übernachtung anfragen.

7. Reiseblog-Empfehlungen

Sind wir die Einzigen, die eine nachhaltige Weltreise machen?

Nicht erst seit den Klimaprotesten rund um Fridays for Future machen sich Menschen Gedanken zu nachhaltigem Reisen. Unterwegs und über soziale Netzwerke haben wir viele Reisende kennengelernt, die ähnlich wie wir unterwegs sind und auf ihrem Reiseblog über ihre Erfahrungen berichten. Für spannende Reiseberichte und um zu erfahren, wie andere Reisende mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen, können wir folgende Blogs wärmstens empfehlen:

  • outthere: Julia und Lisa reisen wie wir ohne Flugzeug um die Erde – nur in die andere Richtung. Als Mitsegler über den Atlantik gelangten sie nach Südamerika und reisen nun Richtung Norden. In Guatemala hatten wir die Gelegenheit, die beiden zu treffen und uns mit ihnen auszutauschen.
  • Eat This World: Anna und Toby reisen seit August 2017 über den Land- und Seeweg bis nach Australien und fuhren auf einem Segelboot über den Pazifik nach Kanada. Die beiden brachten uns auf die Idee des House Sittings.
  • Isabelle Winkler: Bella trafen wir auf unserer Reise dreimal: in Tibet, in China und in Laos. Genau wie wir verzichtet Bella auf das Transportmittel Flugzeug und nutzt vornehmlich öffentliche Verkehrsmittel.
  • Morten und Rochssare: Morten und Rochssare reisen fast immer per Anhalter und haben es auf diese Weise über Indien bis nach Südostasien geschafft.

8. Fazit

Du möchtest nun selbst gerne nachhaltiger Reisen?

Unsere Erfahrung aus knapp 3 Jahren Weltreise hat uns gezeigt, dass nachhaltiges Reisen keinen spürbaren Verzicht bedeutet und sich problemlos in den Reisealltag integrieren lässt. Es ist viel leichter, klimabewusst und ressourcenschonend unterwegs zu sein, als vorab man denken mag.

Unser Tipp: Einfach mal ausprobieren! Such dir einen Aspekt heraus, bei dem du nachhaltiger unterwegs sein willst und mache dir dafür einen konkreten Plan. Genau wie wir, wirst du wahrscheinlich nicht von Anfang an in allen Bereichen nachhaltig reisen können, doch mit der Zeit immer weiter dazulernen.

Leo und Sebastian stehen mit ihren Fahrrädern auf einer Sanddüne in Vietnam.

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