Seit 18 Monaten unterwegs – 1,5 Jahre!

Leo und Sebastian sitzen mit einer vietnamesischen Familie am Esstisch.

Was haben wir gemacht im Monat August, unserem achtzehnten Reisemonat?

Seit ganzen 1 ½ Jahren sind wir nun schon unterwegs! Diesen Monat haben wir in Thailand begonnen, reisten durch Kambodscha und beendeten ihn schließlich in Vietnam. Damit verbrachten wir auch den August komplett in Südostasien. Der Monat war geprägt von unserem house sitting in Bangkok, dem anschließenden Besuch Kambodschas und einer gewissen Müdigkeit vom Reisen in sehr touristischen Gegenden. „Irgendwas muss anders werden in Vietnam!“, das beschlossen wir als Reaktion auf diese Müdigkeit…

Sebastian und Leo vor einem vietnamesischen Grenzgebäude.
Angekommen in Vietnam, unserem 22. Land dieser Reise

Welche Momente im August werden uns in guter Erinnerung bleiben?

  • Nach drei Wochen house sitting in Bangkok verabschieden wir uns Mitte August von „unseren“ Katzen und dem tollen Haus. Das Weggehen fällt schwer, denn mittlerweile haben wir uns schon wieder richtig daran gewöhnt, ein schönes Zuhause zu haben.
  • Mit dem Bus geht es weiter nach Kambodscha und unser erster Stopp ist die Touri-Hochburg Siem Reap, vor deren Toren die riesige Tempelanlage Angkor Wat liegt.
  • Siem Reap gefällt uns überhaupt nicht. Total überlaufen mit jungen Billig-Backpackern und für uns nicht spannend, denn es ist uns so gut wie unmöglich, mit den Einheimischen in einen tiefergehenden Kontakt zu kommen. Immerhin lohnt sich der Besuch von Angkor Wat, aber danach ziehen wir weiter.
  • In Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, legen wir eine kurze Pause ein und verbringen die regnerischen Monsunnachmittage vor allem am Laptop und mit der Beantragung des Visums für Vietnam.
  • Phnom Penh ist der erste Ort auf dieser Reise, an dem wir von Einheimischen und Infoplakaten eindringlich darauf hingewiesen werden, auf unsere Taschen aufzupassen und nie einfach mit dem Handy in der Hand an der Straße zu stehen. Zu viel werde aktuell geklaut. Wir sind ein bisschen vorsichtiger als sonst und so kommt uns zum Glück nichts abhanden.
  • Unser schönes house sitting noch in Erinnerung, habe ich, Leo, hier in Kambodscha seit Langem mal wieder einen Reise-Tiefpunkt. „Was machen wir hier eigentlich?“ und „Wie lange wollen wir eigentlich noch reisen?“ frage ich mich mehr als einmal. Doch nach ein paar Tagen und der Austüftelung eines neuen Reiseplans ist diese Phase auch wieder überwunden und ich kann mit Vorfreude in Richtung Vietnam schauen.
  • Kambodscha ist für uns ein Transit zwischen unseren drei häuslichen Wochen in Bangkok und dem kommenden Vietnam. So ganz kommen wir hier nicht an bzw. können und wollen uns nicht so richtig auf Kambodscha einlassen. Das Land hat bestimmt viel zu bieten, doch für uns passt es aktuell nicht.
Ein Motorrad fährt durch das Victory Gate von Angkor Wat.
Angkor Wat ist immer einen Besuch wert und vielleicht haben wir Glück, dass aufgrund der Regenzeit nicht ganz so viele Gruppen unterwegs sind? Jedenfalls erleben wir einige der Tempel und Tore ohne die sonstigen Besuchermassen.
  • So kommen wir schließlich in Ho Chi Minh City, der größten Stadt Vietnams und dem ehemaligen Saigon, an. Wie so oft in Großstädten entscheiden wir uns auch hier für Couchsurfing und haben wieder mal Glück.
  • Dung nimmt uns bei sich zu Hause auf. Sie lebt mit ihrem Mann Hạnh und ihrer Tochter Sâu ganz nah am Zentrum und von ihrer Wohnung aus durchstreifen wir die Stadt auf der Suche nach zwei passenden Fahrrädern.
  • Denn etwas entnervt vom klassischen Touri-Trail, auf dem wir vor allem Ausländern begegnen, aber kaum Einheimischen, ist uns klar, dass, wenn Vietnam anders als Thailand und Kambodscha werden soll, wir anders reisen müssen. Und das heißt für uns: Wir werden Fahrrad fahren!
  • Nach vielen Besuchen in diversen Fahrradläden in HCMC (kurz für Ho Chi Minh City) werden wir schließlich fündig. Zwei gebrauchte Räder sind nun unsere, zwei Packtaschen erstehen wir und zum Glück auch noch gepolsterte Radlerhosen. Unsere Allerwertesten werden es uns bestimmt danken 🙂 . Unsere großen Rucksäcke schicken wir mit der Post nach Hanoi, der Hauptstadt im Norden, und werden sie dort nach unserer Fahrradtour wieder in Empfang nehmen.
  • Unser Plan ist, von HCMC nach Hanoi mit dem Fahrrad zu fahren. Das sind allerdings fast 2.000 km. Ob wir das wirklich schaffen werden? Zum Glück ist das nicht so wichtig, denn es geht uns nicht um einen sportlichen Rekord, sondern um eine schöne Zeit auf dem Rad in Vietnam. Wenn wir in Zeitdruck geraten, können wir das Fahrrad problemlos in einem Bus oder dem Zug mitnehmen.
Leo und Sebastian auf Fahrrädern in Ho Chi Minh Stadt.
Jetzt geht’s los! Mit unseren Rädern und abgespecktem Gepäck wollen wir in den Norden fahren.
  • Im August schaffen wir es in drei Tagen im Sattel bis ans Meer und auch nach einer so kurzen Zeit sind wir jetzt schon froh, dass wir uns für das Fahrrad entschieden haben! Wir kommen natürlich viel langsamer voran als mit öffentlichen Verkehrsmitteln, können aber überall stoppen und hören und sehen genau deshalb viel mehr als sonst.
  • In Mui Ne gönnen wir uns einen ersten Pausentag. Als am Nachmittag starker Wind aufkommt, ist endlich Sebastians Gelegenheit gekommen, kitesurfen zu gehen. Mit einem riesigen Lenkdrachen und einem Surfbrett düst er übers Meer und nutzt dabei die Kraft des Windes, um sich auf dem Wasser ordentlich auszupowern.
  • Passend zum nahenden 1 ½-Jährigem, essen wir zum ersten Mal seit einem Jahr wieder in einem deutschen Restaurant. Das letzte Mal gönnten wir uns vor genau einem Jahr auf der Weltausstellung Expo in Kasachstan Spätzle mit Sauce und Apfelschorle. Nun in Mui Ne geben wir dem Wunsch nach Essen aus der Heimat nach und werden nicht enttäuscht. Schnitzel und Spargel schmecken hervorragend und so werden wir wieder daran erinnert, dass bei all dem guten Essen unterwegs das Essen zu Hause auch sehr lecker ist… 🙂
Sebastian beim Kitesurfen in Mui Ne in Vietnam.
Mui Ne gilt als Kitesurf-Hotspot in Vietnam. Gut für Sebastian, dass es windig genug ist. Für mich ist es hingegen eher kalt 😉
  • Nachdem wir eine Woche die Küste entlang geradelt sind, schlagen wir nun den Weg Richtung Berge ein. Für den steilen Anstieg, von dem uns alle abraten, packen wir die Fahrräder in den Bus und fahren hoch in die Stadt Dalat. Auf einmal sind wir auf 1.500 Metern und zum ersten Mal seit Monaten wird es kalt! „Kalt“ heißt dabei etwa 18 Grad…
  • Von Dalat aus soll es nun weiter durch das Hochland Vietnams gehen. Es wird zwar hügeliger, aber bestimmt auch nochmal abwechslungsreicher als am Meer.
  • Bis zum 6. September, unserem 1 ½-jährigen Reisejubiläum, sitzen wir bereits sieben Tage im Sattel und sind insgesamt schon 328 Kilometer geradelt.
  • Vietnam gefällt uns schon nach so kurzer Zeit richtig gut. Es ist für uns zwar weit schwieriger hier mit Englisch durchzukommen als in anderen Ländern Südostasiens, aber die Leute sind aufgeschlossen, neugierig, winken uns zu und haben keine Hemmungen, auch ohne gemeinsame Sprache mit uns in Kontakt zu kommen.
Leo hält ein Mädchen auf dem Arm und wir zusammen mit einer vietnamesischen Familie fotografiert.
Am 2. September feiert Vietnam seinen Nationalfeiertag und da deshalb alle frei haben, sind die Straßen voll. Wir begegnen vielen Familien in Feierlaune und diese hier nutzt die Gunst der Stunde für ein Fotoshooting mit uns zwei Ausländern.

Wie sah es in diesem Monat mit Fettnäpfen, skurrilen Situationen oder Schreckmomenten aus?

  • In Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, fahren wir mit einem Taxi zurück ins Hotel. Auf einmal wird unser Fahrer von zwei Polizisten an den Straßenrand gewunken. Anfangs denken wir noch, dass mit der Plakette, die an seiner Windschutzscheibe klebt, etwas nicht in Ordnung ist. Doch dann entsteht mehr und mehr der Eindruck, dass die Polizisten einfach ihren Verdienst aufstocken möchten… Dass zwei Ausländer im Auto sitzen, die die Aktion interessiert verfolgen, stört sie nicht. Nachdem der Taxifahrer mehr oder weniger unauffällig ein paar zusammengerollte Scheine aus dem Fenster gereicht hat, dürfen wir weiterfahren.
  • In Vietnam scheint Karaoke voll im Trend zu liegen. Dabei gehen viele Leute aber nicht in eine der zahlreichen Karaokebars, sondern bauen einfach zu Hause im Hof riesige Boxen auf. Gemeinsam wird am Tisch gesessen und sich unterhalten, während einer der Gäste lautstark, aber von den anderen nicht sonderlich beachtet, vor sich hin singt. Und das oft reichlich schräg…
  • In HCMC müssen wir immer wieder schmunzeln, wenn wir von unseren Couchsurfing-Gastgebern und auch anderen Vietnamesen ganz verblüfft angeschaut werden, wenn wir mit „wenige Tage“ auf ihre Frage antworten, wie lange wir schon in Vietnam seien. Wo wir so gut gelernt hätten, mit Stäbchen zu essen??
  • Spannend ist für uns auch, dass alle Namen in Vietnam eine Bedeutung zu haben scheinen. Und zudem gibt es die Kosenamen, die von den Eltern kreativ vergeben werden. Die Tochter unserer Couchsurfing-Gastgeber z.B. wird Sâu genannt, was „Wurm“ bedeutet. Der Sohn von Freunden wird genannt, was Avocado heißt. Denn sein Vater mag Avocado so gerne…
Sebastian trinkt bei einer Party Bier mit vietnamesischen Männern.
Wie es der Zufall will, machen wir über Hạnhs 30. Geburtstag bei ihm und seiner Familie Couchsurfing. Viele Freunde kommen zu Besuch und gefeiert wird auf der Terrasse. Wir sind die Einzigen, die beim Sitzen auf dem harten Boden immer wieder unsere Position verändern müssen.

Unser Fazit des achtzehnten Monats

In Kambodscha war der Wurm drin. Es gefiel uns einfach nicht. Da waren einmal die Massen an Touristen, die sich durch das Zentrum des überschaubaren Siem Reaps schoben und die Einheimischen zahlenmäßig weit übertrafen. Da war aber auch von unserer Seite aus eine gewisse Distanz dem Land gegenüber und ein Widerwillen, sich mit Aufwand darauf einzulassen. Wären wir in die ländlicheren Gebiete Kambodschas gefahren und hätten wir die Orte besucht, die im Reiseführer nicht empfohlen werden, hätten wir bestimmt eine tolle Seite des Landes kennengelernt. Jedes Land ist spannend, wenn man sich darauf einlässt, das haben wir in diesen letzten 1 ½ Jahren gelernt!

Doch in Kambodscha wollten wir irgendwie nicht. Dafür steckten wir alle Energie in die Planung unserer Zeit in Vietnam. Denn dass wir da anders reisen mussten, wenn es schön werden sollte, das war uns klar.

Und so sind wir jetzt richtig froh, dass wir nochmal was ganz neues ausprobiert haben, selbstbestimmt und in unserem Tempo auch durch schlechter erreichbare Gegenden radeln und hier sehr herzliche Menschen treffen und die tolle Natur bewundern können. „Öfter mal was Neues“ und „nichts ist unmöglich“ passen gut zu diesem achtzehnten Reisemonat und eigentlich auch zu unseren ganzen letzten 1 ½ Jahren.

Eine Landkarte, auf der eine Reiseroute eingezeichnet ist.
Unser 1 1½-Jähriges feiern wir in Dalat, im Hochland von Vietnam. Die gesamte Route mit allen Details gibt es >> hier.

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2 Comments

    1. Hi Wolfgang,

      danke dir für deinen Kommentar! Wir freuen uns, wenn dir unser Bericht gefällt 🙂
      Viel Spaß dir auf deiner eigenen tollen Tour und schöne Eindrücke in Shymkent, dorthin hat’s uns leider nicht gereicht.

      Liebe Grüße aus Vietnam
      Leo & Sebastian

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