Seit 31 Monaten unterwegs

Die Skyline von Panama-Stadt.

Was haben wir gemacht im Monat September, unserem einunddreißigsten Reisemonat?

Von Costa Rica reisen wir in diesem Monat weiter nach Panama. Es ist unser letztes Land in Mittelamerika, bevor wir zurück nach Europa reisen werden. Leider hält der (eigentlich) letzte Tag in Costa Rica auch unsere erste wirklich negative Reiseerfahrung für uns bereit: Wir werden ausgeraubt. Zum Glück kommen wir mit einem Schrecken und dem Verlust von 80 Euro davon.

Eine Machete ist ein langes, scharfes Messer.
In vielen Haushalten Mittelamerikas findet sich eine Machete und in ländlichen Gebieten sind sie allgegenwärtig. Wir selbst schätzen die scharfen langen Messer zum Öffnen einer Kokosnuss. Damit Überfallen zu werden ist aber natürlich nicht cool.

Welche Momente im September werden uns in guter Erinnerung bleiben?

  • Unseren letzten Stopp in Costa Rica legen wir an der Ostküste ein. Zum ersten Mal sind wir in der Karibik!
  • Mit zwei Fahrrädern fahren wir entlang der Küstenstraße Richtung panamaischer Grenze, erspähen ein weiteres Faultier oben im Baum und baden an einem karibischen (und gut besuchten) Traumstrand.
  • Im Cahuita Nationalpark verbringen wir unseren letzten Tag in Costa Rica – und was für einen! Wir sehen drei Faultiere aus der Nähe, einen Waschbären, drei Weißrüssel-Nasenbären, Kapuziner- und Brüllaffen, unzählige Vögel, Echsen und Kleintiere.
  • Beschwingt laufen wir aus dem Nationalpark heraus Richtung Straße. Wir sind die Einzigen, die kurz vor Schließung des Parks hier noch unterwegs sind und das wird uns bewusst, als wir uns aufgrund eines Geräuschs umdrehen und ein Mann mit einer Machete in der Hand vor uns steht. „Dame la plata! Gib mir das Geld!“, sagt er in einem Tonfall, der uns wissen lässt, dass er es ernst meint. Die Szene dauert nur kurz, mit unserem Geld in der Hand dreht sich der Mann um und rennt zurück in den Nationalpark.
  • Jetzt ist uns das also auch mal passiert. Und ausgerechnet in Costa Rica, dem vermeintlich sichersten Land Mittelamerikas. Wir selbst sind froh, dass wir nur 80 Euro verloren haben und nicht unsere Kamera, die während der ganzen Zeit sichtbar über meiner Schulter hing.
  • Statt nach Panama zu fahren, verbringen wir ungeplant einen weiteren Tag in Costa Rica. Bei der Polizei erstatten wir Anzeige und können es nicht glauben, als uns aufgrund unserer Täterbeschreibung ein Foto von dem Räuber gezeigt wird. Da wir das Land am nächsten Tag verlassen werden, wird der Mann festgenommen und wir machen vor Richter, Staatsanwältin, Angeklagtem und Pflichtverteidigerin unsere Aussagen. Sie werden auf Video aufgezeichnet für den eigentlichen Gerichtstermin, bei dem wir nicht mehr im Land sein werden.
Ein Brüllaffe im Cahuita Nationalpark.
Tiere sehen war unser Wunsch für den Cahuita Nationalpark und der ging in Erfüllung! Hier schaut ein Brüllaffe durch die Blätter.
  • Als wir in Panama ankommen, sitzt uns der Schreck noch in den Knochen. Es ist nicht der Verlust des Geldes, sondern die Überraschung, dass jemand einfach so unbemerkt hinter uns auftauchen kann, um uns zu überfallen.
  • Ein paar Tage auf der Inselgruppe Bocas del Toro helfen uns, auf andere Gedanken zu kommen. In einem Airbnb direkt am Strand ziehen die Tage an uns vorbei und der Überfall rückt etwas in den Hintergrund.
  • Mit dem Boot fahren wir zurück ans Festland. Auf Einladung von Anna vom Berliner Reisebüro Go’n joy Erlebnisreisen [Werbung] verbringen wir zwei Tage in einer Regenwaldlodge in den Bergen Nordpanamas.
  • Das Highlight der zwei Tage ist ein Ausflug auf dem Fluss Teribe. Bevor es eine Straße gab, wurden hier Menschen und Waren auf Flößen oder Holzbooten über den Fluss transportiert und auch heute noch gibt es Dörfer, die nur über den Fluss zu erreichen sind. Sebastian wagt sich aufs Floß, welches wir als sehr wackelig erwarten. Doch es ist stabiler als gedacht. Trocken erreicht man sein Ziel allerdings nicht, doch bei 30 Grad im Schatten kommt ihm das heute gelegen.
Sebastian fährt auf einem Floß über den Teribe-Fluss in Panama.
“Ist das Floß sehr wackelig?”, fragen wir den Kapitän. “Im Gegenteil, das Wasser kommt rein und fließt wieder raus – es ist viel stabiler als ein Einbaum.”
  • Unser nächstes Highlight ist der Besuch einer Bananen-Kooperative. Esteban erklärt uns den Weg der Banane vom kleinen Pflänzchen bis hin zur Verladung der Kisten in den Container. Auf der Plantage gibt es unterschiedlichste Arbeitsfelder, Esteban selbst zum Beispiel überprüft täglich die Bananenblüten. Haben die Blüte und der Fruchtstand eine bestimmte Größe erreicht, wird zum Schutz vor Vögeln und Insekten eine blaue Plastiktüte über die heranwachsenden Bananen gezogen. Oben an der Plastiktüte wird ein farbiges Band befestigt. Dank dieser Markierung wissen Estebans Kollegen, welche Bananenstauden sie in der jeweiligen Woche abernten sollen.
  • Im Zweierteam arbeiten Estebans Kollegen zusammen: Einer fällt mit der Machete die Bananenstaude, der zweite trägt den bis zu 30 kg schweren Fruchtstand raus aus den engstehenden Pflanzenreihen. Auf einem schmalen Weg führt eine Art Seilbahn durch die gesamte Plantage. Die geernteten Bananen werden an der Seilbahn eingehängt und wenn genügend zusammengekommen sind, befestigte ein Reiter die ganze Schlange von eingehängten Fruchtstände mit einem Seil an seinem Sattel und zieht die Bananen mit seinem Maultier oder Pferd zur Fabrik.
  • Dort werden alle Bananen überprüft. Nur die makellosen mit bestimmten Längen und Durchmessern gehen in den Export, die anderen werden national verkauft. Angefressene Bananen werden weggeschmissen. Dann werden die Bananen vom Fruchtstand gelöst, gewaschen, mit einem Aufkleber gekennzeichnet und schließlich in Bananenkisten gepackt.
  • Auf Paletten gestapelt werden diese Bananenkisten in einen Schiffscontainer geladen. 1.100 Kisten passen in einen Container. Damit sie noch grün in Europa ankommen, müssen sie konstant bei 13 Grad Lufttemperatur gelagert werden. Ob das Containerschiff bei unserer anstehenden Atlantiküberquerung dieses Mal wohl auch Bananen transportieren wird?
Leo und Sebastian mit zwei Arbeitern in einer Bananenkooperative.
Esteban, neben Sebastian, führt uns bei unerträglich schwül-heißen 35 Grad durch die Bananenplantage. Rey, zwischen uns, ist für die Kontrolle der geernteten Bananen zuständig: Nur die makellosen werden exportiert. Wir selbst müssen Gummistiefel und Überhosen tragen, um nicht aus Versehen Krankheiten in die Plantage einzuschleppen.
  • In fünf Stunden fahren wir in einem kleinen Bus über die Berge nach David und erreichen die Pazifikküste Panamas. Im schönen kleinen Hostel La Libertad lassen wir uns von den italienischen Besitzern bekochen. Schade, dass wir nach zwei Nächten weiterfahren müssen, hier hätten wir es sicher lange ausgehalten…
  • Unsere letzte Station in Panama ist die Hauptstadt Panama-Stadt. Gerade noch rechtzeitig kommen wir an, um Sebastians ehemaligen Kollegen Norris zu besuchen, der zwei Jahre lang hier gelebt hat. Vier Tage dürfen wir bei ihm in seiner schon recht leergeräumten Wohnung wohnen, bis er auszieht und die Wohnung an den Vermieter übergibt.
  • So kommt es, dass wir im 40. Stock mit einem unglaublichen Blick auf das Meer wohnen dürfen, wir aber unsere Luftmatratzen aufpumpen müssen, da das Gästezimmer schon kein Bett mehr hat.
  • Panama-Stadt erinnert uns mit seiner beeindruckenden Skyline eher an Shanghai, Singapur oder Hongkong als an die anderen mittelamerikanischen Hauptstädte, die wir in den letzten Wochen besucht haben. Wir freuen uns über die internationale Küche und spendieren uns seit langem mal wieder eines unserer Lieblingsessen: Gimbap, koreanisches Sushi.
Die Hochhäuser von Panama-Stadt
Wir könnten auch in einer asiatischen Großstadt stehen, doch das hier ist die Aussicht auf die Skyline von Panama-Stadt
  • Eine Woche verbringen wir in der Hauptstadt, schauen uns den Casco Viejo, die Altstadt, an und nehmen an unserer ersten Demonstration von Fridays For Future teil. Wir besuchen den Panama-Kanal und spazieren entlang der ausgedehnten Promenade, hinter uns die Wolkenkratzer, vor uns das Meer.
  • Nachdem Norris aus seiner Wohnung ausgezogen ist, finden wir für die nächsten Tage ein schönes Airbnb. Mit Jacky, Juan und Golden Retriever Tango teilen wir uns ihre Wohnung, schreiben letzte E-Mails, laden Musik auf unsere Handys, eBooks auf die Tolinos und kaufen ein paar Kekse und Chips als Proviant.
  • Es ist unsere letzte Woche in Panama und die letzte in ganz Mittelamerika. In wenigen Tagen wird unser Containerschiff an der Atlantikküste Panamas ankommen und wir dürfen einsteigen! Und obwohl das Datum schon so greifbar vor uns liegt, kommt es uns immer noch unglaublich vor, dass wir bald über den Atlantik nach Europa fahren werden.

Unser Fazit des einunddreißigsten Monats

Unser letzter Monat in Mittelamerika hält leider die erste richtig negative Erfahrung dieser Reise für uns bereit: 31 Monate lang besuchen wir 30 Länder und schließlich passiert es uns in Costa Rica, dass wir ausgeraubt werden. In dem Land, das als sicherstes in ganz Mittelamerika gilt.

Uns zeigt das einmal wieder, dass kein Land zu 100% sicher und damit auch keines zu 100% unsicher ist. So etwas hätte uns überall passieren können, auch in Europa, auch in Deutschland. Dann wäre der Täter wahrscheinlich zwar nicht mit einer Machete hinter uns gestanden, aber dafür vielleicht mit einem anderen Gegenstand.

Statt uns darauf zu konzentrieren, dass uns in diesem einen Moment etwas Negatives passiert ist, möchten wir uns lieber daran erinnern, in wie vielen unzählbaren Momenten uns extrem Positives widerfahren ist, wie viele Menschen uns geholfen und uns zum Essen und Schlafen in ihr Haus eingeladen haben. Das ist wohl eine der größten Erfahrungen dieser Reise: Tolle Menschen leben in jedem Land, egal wie schlecht sein Image in den deutschen Medien sein mag!

Wir blicken mit Dankbarkeit und großer Freude auf die letzten drei Wochen in Panama und die ganzen zehn Monate in Mittelamerika zurück. Wir haben zum ersten Mal im Leben Wale gesehen und berührt, kleine Schildkröten auf ihrem Weg ins Meer begleitet, Faultiere ruckzuck den Baum hochklettern sehen; haben Tacos gegessen, Pupusas, Gallo Pinto und allerhand anderes leckeres Essen; haben viel über den Anbau von Kakao, Kaffee und Bananen gelernt; sind im Meer geschwommen, waren surfen und sind durch den Dschungel gelaufen; haben fantastische Menschen kennengelernt und durften bei vielen Freunden übernachten!

Wenn dieser Bericht veröffentlicht wird, dann befinden wir uns schon auf einem Containerschiff in Richtung Rotterdam. Wir schauen mit beiden Gefühlen nach Europa: große Freude auf unsere Familien und Freunde (und mal wieder deutsches Essen…), aber auch eine gewisse Trauer, dass diese Reise auf ihr Ende zugeht.

Leo und Sebastian stehen an bunten Buchstaben, auf denen Panama steht.
Panama, unser letztes Land in Mittelamerika. Jetzt geht’s zurück nach Europa!

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