Seit 27 Monaten unterwegs – 2 1/4 Jahre!

Leo und Sebastian stehen an der Grenze zwischen Mexiko und Guatemala.

Was haben wir gemacht im Monat Mai, unserem siebenundzwanzigsten Reisemonat?

Zum ersten Mal auf dieser Reise trennte sich unser Weg: Zwei Wochen lang waren Sebastian und ich alleine unterwegs und ja, anfangs war es komisch. Nach über zwei Jahren nonstop zusammen hat sich eine Routine in unserem Reisealltag eingespielt. Diese 14 Tage Solozeit gaben uns beiden die Chance, uns einmal ganz auf uns selbst zu konzentrieren und zu überlegen, wie ein jeder von uns diese Tage verbringen möchte, ohne immer gleich an uns beide zu denken.

Leo und Sebastian von eins2frei in Oaxaca in Mexiko.
Nach zwei Wochen alleine treffen wir uns in Oaxaca im Süden Mexikos wieder

Welche Momente im Mai werden uns in guter Erinnerung bleiben?

  • Am 1. Mai trennen sich unsere Wege: Sebastian fährt nach Mexiko-Stadt und von dort aus zum Surfen nach Puerto Escondido an Mexikos südlicher Pazifikküste.
  • Mein Weg führt mich zuerst nach Guadalajara, wo ich Arely, Luis, Kevin und Astrid wiedertreffe. Arely und ihre Familie hatten wir bei unserer allerersten Busfahrt in Mexiko vor fast einem halben Jahr kennengelernt und waren über die Zeit in Kontakt geblieben. Nun besuche ich sie in ihrer Stadt und sie laden mich zu einem tollen Ausflug zum Chapala-See und ins Zentrum Guadalajaras ein.
  • Einige Tage später fahre ich weiter in den kleinen Ort Sayulita, der ebenfalls am Pazifik ist, allerdings gut 1.300 Kilometer nördlicher als Puerto Escondido, wo sich Sebastian zeitgleich mit seinem Brett in die Wellen wagt. Zehn Tage lang nehme ich an einem Yoga Retreat teil. Mit vier anderen Teilnehmerinnen mache zweimal täglich Yoga, beschäftige mich mit gesunder vegetarischer und veganer Ernährung und habe eine wunderbare Zeit direkt am Meer.
  • Auch wenn wir ohne den anderen reisen, sind wir in dieser Zeit nicht ohne nette Gesellschaft. Sebastian lernt in seinem Hostel in Mexiko-Stadt eine internationale bunte Gruppe anderer Reisender kennen und unternimmt mit ihnen einige Ausflüge. Endlich sieht er einen Lucha Libre, die mexikanische Wrestling-Variante, bei der die Kämpfer markante Masken tragen. Auch ein Rockkonzert der angesagten argentinischen Band La Renga steht auf dem Programm. Ich selbst verbringe inspirierende Tage mit meinen vier Mit-Yogis und den drei Organisatorinnen, die mit Feuereifer für ein unvergessliches Retreat sorgen.
Leo steht mit ihren Mitteilnehmerinnen in der Yogaposition "Der Baum" vor einem Mandala in Sayulita in Mexiko.
Glückliche Yogis am Ende des Retreats. Bei unserer internationalen Gruppe kommt jede Teilnehmerin aus einem anderen Land. Vertreten sind Mexiko, Australien, USA, Deutschland und Kanada. Die Chemie stimmt von Anfang an.
  • Mitte Mai treffen Sebastian und ich uns in Oaxaca wieder. Auch wenn die Tage alleine schön waren, freuen wir uns, ab jetzt wieder zu zweit weiterzureisen.
  • Oaxaca (sprich: Oacháka) ist eine hübsche Kolonialstadt und wir verbringen hier zwei schöne Tage, spazieren durch die kleinen Gassen, schauen den Menschen beim Tanzen auf dem Zócalo, dem zentralen Platz, zu und erzählen uns von den Erlebnissen der letzten zwei Wochen. Tagsüber wird es über 30 Grad heiß und auch nachts kühlt unser in einen Backofen verwandeltes Airbnb nicht wirklich ab.
  • Von Oaxaca aus reisen wir mit dem Nachtbus weiter nach San Cristóbal de las Casas im Bundesstaat Chiapas. Dank seiner Höhe auf 2.200 Metern ist es hier überraschend kalt. Nach den hohen Temperaturen in Oaxaca und zuvor am Meer genießen wir es, mal wieder Jeans und Turnschuhe tragen zu können.
  • Während unserer Solozeit haben wir eine Zusage für unseren nächsten House Sit bekommen – dieser wird in Guatemala sein. Damit haben wir mal wieder einen Termin und unsere Zeit in Mexiko neigt sich deshalb mit großen Schritten dem Ende zu.
  • Als wir Mitte Mai nach Guatemala einreisen, blicken wir auf 163 Tage Mexiko zurück – fast ein halbes Jahr! In keinem Land zuvor haben wir auf dieser Reise so viel Zeit verbracht. Wir haben viel gesehen und tausende Kilometer zurückgelegt und trotzdem sind viele Orte von uns unbesucht geblieben. Diese werden wir uns für die Zukunft aufheben 🙂

 

Über die Vollbildanzeige kannst du dir unsere Route durch Mexiko im Überblick anschauen oder weiter hineinzoomen.

 

  • In Guatemala ist schnell klar, dass nun Schluss ist mit den komfortablen und neuen Bussen Mexikos. Hier fahren die berühmten „Chicken Busse“, ausrangierte US-amerikanische Schulbusse, die statt Komfort ein Reiseerlebnis bieten: Für jeden an der Strecke winkenden Fahrgast wird gestoppt, Waren werden ein- und ausgeladen und wir können durch die offenen Fenster die grandiose Berglandschaft genießen. Aus den Lautsprechern dröhnt abwechselnd laute Musik oder eine religiöse Predigt, die sich über uns Passagiere ergießt.
  • Quetzaltenango oder kurz Xela (sprich: Schéla) ist unser erster Stopp in Guatemala. Hier fällt uns zum ersten Mal auf, dass viele Menschen eine andere Sprache als Spanisch sprechen, obwohl sie als Zweitsprache des Spanischen mächtig sind. Unterhalten wird sich untereinander in den uns unverständlichen Maya-Sprachen Quiché und Mam.
  • Mit dem Chicken Bus fahren wir in drei Stunden von Xela nach San Pedro La Laguna am Lago de Atitlán. Am Fuße des 3.000 Meter hohen Vulkans San Pedro werden wir den nächsten Monat bei unserem fünften House Sit verbringen.
In Xela in Guatamala wird ein Chicken Bus beladen.
Vorbei sind die Zeiten von Primera Plus, ADO und wie die ganzen komfortablen Busgesellschaften Mexikos heißen. Ab jetzt fahren wir mit dem Chicken Bus.
  • Angekommen in unserem neuen Haus lernen wir den Niederländer Tonny, seine drei Hunde Zoy, Eva und Wally sowie Katze Tommy kennen. Zwei Tage sind wir gemeinsam mit Tonny im Haus und bekommen eine Einweisung in die Wasserpumpe, die Solaranlage auf dem Dach und die Gassirunde, dann sind wir alleine.
  • Der erste Stromausfall wartet nicht lange auf sich: 12 Stunden lang haben wir kein elektrisches Licht, was tagsüber nicht stört. Da allerdings die Wasserpumpe ebenfalls elektrisch funktioniert, haben wir auch 12 Stunden lang kein fließendes Wasser und damit keine Toilettenspülung. Glücklicherweise gehen abends die Lichter wieder an. Für die Zukunft sorgen wir vor, haben unsere USB-Taschenlampe nun geladen und befüllen uns vorsorglich einen 20 Liter Kanister mit Brauchwasser.
  • Obwohl wir eigentlich nicht viel zu tun haben, fliegen die Tage an uns vorbei: Die Hunde ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich, ich versuche meine Tage mit etwas Yoga zu beginnen, Sebastian spielt fleißig Gitarre, wir kochen wie die Weltmeister, putzen seit Langem mal wieder selbst und am Blog gibt es sowieso immer etwas zu tun.
  • Die Rückreise nach Europa beschäftigt uns immer mehr und wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit der Reederei und einem Reisebüro. Als wir gerade die Verbindung buchen wollen, die mir endlich meinen lang gewünschten Geburtstag unter Palmen auf Jamaika ermöglichen würde, kommt die ernüchternde Nachricht: „Die Verbindung wurde ersatzlos gestrichen“. Und alles ist wieder offen…
Sebastian sitzt beim Housesitting in Guatemala mit unseren Tieren zusammen.
Fehlen nur noch Hund Eva und ich, dann wäre unser temporäres Familienbild mit Katze Tommy und den Hunden Wally und Zoy komplett 🙂

Das Geräusch des Monats – So hört sich eine Weltreise an

Auf dem Weg nach Oaxaca im Süden Mexikos stoppt der Bus am Straßenrand, Verkäuferinnen eilen herbei. Hat jemand Lust auf Tacos, Tortas (reich belegte Sandwiches) oder Refrescos (Softdrinks)?

 

Wie sah es in diesem Monat mit Fettnäpfen, skurrilen Situationen oder Schreckmomenten aus?

  • Eines Nachts erleben wir in San Pedro unser erstes Erdbeben. Für einige Sekunden bebt die Erde, das Bett wackelt und die Fenster klappern im Rahmen. Dann ist alles wieder vorbei. Am nächsten Tag sehen wir im Internet, dass das Beben die Stärke 6,6 hatte und das Epizentrum vor der Küste El Salvadors im Meer lag, zum Glück weit weg von uns.
  • Zoy, Eva und Wally sind drei liebe und gut erzogene Hunde. Was wir vorab allerdings nicht bedachten, waren die vielen Straßenhunde, die unsere Gassirunde unsicher machen und uns in Stress ausbrechen lassen. Teilweise stehen wir 10 wild bellenden Hunden gegenüber, die an Sebastian und mir kein Interesse haben, an Zoy, Eva und Wally, die an der Leine sind, jedoch schon. In Absprache mit Tonny gehen wir mittlerweile mit unseren Hunden ohne Leine Gassi und das macht uns allen das Leben leichter. Die Straßenhunde scheinen vor frei laufenden Hunden mehr Respekt oder weniger Interesse zu haben und bleiben von sich aus eher auf Abstand.
  • Eines Abends bemerkt Sebastian ein schwarzes kleines Tier über den Boden huschen und denkt an eine Kakerlake. Aber nein, es ist unser erster Skorpion, der sich in unser Haus verirrt. Zum Glück sind die schwarzen Skorpione am Atiltán-See nicht giftig, aber ihr Stich muss höllisch weh tun und so befördern wir ihn mit einem Glas und einer Pappe nach draußen.
Leo und Sebastian haben zum ersten Mal selbst beim Housesitting in Guatemala ein Brot gebacken.
Wir dachten immer, ein Brot zu backen wäre ganz schön schwierig. Als Brot-Junkies sind wir daher begeistert, dass wir unser liebstes Nahrungsmittel Dank Backstunde mit Hausbesitzer Tonny nun selbst herstellen können. Verfeinert mit Leinsamen, Sesam, Kürbiskernen, Rosinen, Haferflocken und/oder Mandeln sind die Frühstücke nun ein Highlight!

Unser Fazit des siebenundzwanzigsten Monats

Zum ersten Mal auf dieser Reise waren wir getrennt voneinander unterwegs. Auch, wenn ich diese 14 Tage anfangs nicht unbedingt wollte, so bin ich nun doch froh, dass wir sie uns genommen haben. Mein Yoga Retreat war genau das Passende für mich für diese Zeit: Bewegung, Inspiration, tolle Menschen und zwei Wochen am Meer. Auch Sebastian genoss seine Zeit und konnte endlich mal wieder ausdauernd surfen gehen. Jetzt ist es aber auch wieder schön, gemeinsam weiterzureisen, zusammen die nächsten kleinen (und größeren) Projekte zu planen und die Tage am Atitlán-See zu zweit zu verbringen.

Nach fast einem halben Jahr in Mexiko sind wir nun in einem neuen Land angekommen. Nie hätten wir uns im Dezember, als wir mit dem Containerschiff in Manzanillo ankamen, gedacht, dass wir unsere erlaubten 180 Tage in Mexiko fast ausnutzen würden. Doch Mexiko ist riesig – etwa fünfmal so groß wie Deutschland – und hat viel zu bieten!

Wenn wir an Mexiko zurückdenken, dann denken wir an unseren Roadtrip über die Baja California und an den magischen Moment, Grauwale aus allernächster Nähe zu sehen. Die Fahrt mit dem Chepe, dem Zug von der Pazifikküste bis nach Chihuahua, entlang eines der größten Canyons der Welt, war ein Highlight, genauso wie unsere Besuche bei „den Calwern“ Kristina, Thomas und Matea und kurz darauf in San Luis Potosí bei Clara und Jorge.

Der Monat mit meiner Familie wird unvergessen bleiben, auch der Besuch bei den Monarchfaltern und der Aufstieg auf den Vulkan von Toluca, generell Mexiko-Stadt, das so viel schöner ist als wir erwarteten. Auch behalten wir leckere Fisch- und Garnelentacos, tägliche Avocados, Mais am Stil und an Jamaica, eine Hibiskus-Limonade, in bester Erinnerung, auch wenn uns sonst das mexikanische Essen oft etwas zu fleischlastig war.

Ein "Mexico"-Schriftzug leuchtet in Mexiko-Stadt.
Irgendwann kommen wir bestimmt mal wieder nach Mexiko!

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