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Was haben wir gemacht im Monat Mai, unserem fünfzehnten Reisemonat?

Der Mai war unser schnellster Reisemonat seit langem: Drei Länder, das gab’s schon ewig nicht mehr! Von China aus reisten wir durch Laos und weiter nach Thailand. Der Mai war auch der Monat, in dem es heiß und regnerisch wurde, denn der Monsun hat begonnen. Im chinesischen Kunming war es noch kühl und bewölkt, aber ab dem Grenzübertritt nach Laos kletterten die Temperaturen stetig in die Höhe. Alles neu macht der Mai? Für unsere lange geplante Containerschifffahrt auf jeden Fall…

Mit Laos kommen wir im 17. Land unserer Reise an. Und wie so oft geht es an der Grenze etwas chaotisch zu.

Welche Momente im Mai werden uns in guter Erinnerung bleiben?

  • Im Zug von Yibin nach Kunming treffen wir Carrie. Sie studierte vier Jahre lang in Australien und ist ein Glücksgriff für uns: Sie spricht bestens Englisch und hat durch ihre Jahre im Ausland einen etwas anderen Blick auf ihre Heimat bekommen. Ihr können wir endlich all unsere Fragen stellen und stundenlang unterhalten wir uns über das Bezahlen per Handy, Datenschutz und Internetkontrolle sowie über kulturelle Unterschiede zwischen China und Australien.
  • In Kunming, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan, mieten wir uns eine kleine Wohnung und treffen des Öfteren unseren netten Vermieter. Er spricht zwar kein Englisch und wir kein Chinesisch, aber Dank seiner App funktioniert die Kommunikation ganz passabel. Sehr interessiert schaut er uns beim Kochen zu und kommentiert über seine App: „Ah, ich sehe fünf Gemüsesorten. Wie haben Sie sie ausgewählt? Nach der Farbe?“. Er lacht, als ich ihm „Nein, nach dem Geschmack“ antworte.
  • Von Kunming aus führt uns unser Weg in unsere (vorerst) letzte chinesische Station und wir sind sehr positiv überrascht. Jinghong ist ein für chinesische Verhältnisse nettes, kleines Städtchen und liegt direkt am Mekong. Abends lässt es sich an der Uferpromenade toll spazieren und an den vielen Nachtmärkten die ein oder andere Leckerei versuchen. Schon mal Klebreis mit Mango oder Ananas probiert? Schmeckt hervorragend! 🙂
Jinghong: In der netten Stadt am Mekong wären wir gerne noch länger geblieben, aber leider zwingt uns das bald ablaufende Chinavisum zur Weiterfahrt.
  • Mit Laos erreichen wir das 17. Land dieser Reise. Laos in drei Worten? Grün, grün, grün!
  • Wir sind in Südostasien angekommen und obwohl aufgrund der Regenzeit gerade Nebensaison ist, sind doch im Vergleich zu China sehr viele Touristen hier! Was uns schnell auffällt: wie schwierig es ist, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Sie sind freundlich, aber nicht weiter an uns Ausländern interessiert. Die Welt der Touristen ist eine Parallelwelt zu der der Einheimischen, die sich nur in wenigen Punkten zu treffen scheinen. Für Thailand erwarten wir dies noch stärker und nehmen uns vor, dort endlich mal wieder Couchsurfing zu machen.
  • In Luang Namtha hoch im Norden von Laos machen wir eine kleine Fahrradtour raus aus dem Ort und freuen uns über Felder, Wasserbüffel, Tempel und frisches Obst und Gemüse in Hülle und Fülle. Nach den chinesischen Riesenstädten ist es großartig, mal wieder so richtig auf dem Land zu sein.
  • Mittlerweile sind übrigens frische Ananas, Mango, Papaya, Litschi und Rambutan auf unsere Speisekarte gekommen und wir widerstehen nicht 😉
  • Die Busfahrt von Luang Namtha nach Luang Prabang ist so kurvig, dass es mir, Leo, prompt richtig schlecht wird. Zum Glück ist es die letzte große Busfahrt im Land, denn für unseren weiteren Transport haben wir eine tolle Alternative – das Boot! – entdeckt.
  • In Luang Prabang begründen wir spontan einen „Abendessens-Stammtisch“ für Langzeitreisende: mit dabei ist Stella aus Stockholm, die mit dem Fahrrad von Neuseeland zurück nach Schweden fährt, Bella, die wir bereits aus Tibet kennen und das belgische Pärchen Simon und Marina, die ganz am Anfang ihrer einjährigen Reise stehen. Jeden Abend verbringen wir in gemütlicher Runde und genießen den Austausch mit den anderen Reisenden.
Unser Abendessens-Stammtisch: Bella, Simon, Marina und Stella (v.l.)
  • Nach einigen Tagen in Luang Prabang fahren wir mit einem slow boat in zwei Tagen den Mekong hoch. Nachts stoppen wir in einem Dorf am Fluss und steigen dort am nächsten Morgen in das zweite Boot um. Es ist ein langsames Reisen, aber im Fahrtwind auf dem Fluss lassen sich die hohen Temperaturen sehr gut aushalten und vom Boot aus haben wir eine ganz neue Perspektive auf die Dörfer am Wasser und die langsam vorbeiziehende Natur.
  • Immerhin fahren wir in Laos überhaupt mit dem Boot, denn mit unserem anderen großen Schiff gibt es eine Überraschung für uns: Seit Weihnachten fest gebucht, erfahren wir durch Zufall, dass unsere Containerschiff-Verbindung von Hongkong nach Mexiko nicht mehr befahren wird! Und was nun? Wenn wir eines gelernt haben auf dieser Reise, dann, dass in solchen Änderungen immer auch Chancen stecken. So kommt auf einmal Japan auf unsere Agenda… Kurzfristig wird auch die Transsib wieder zu einer Option, aber mittlerweile sind wir doch zurück zum ursprünglichen Plan gekommen. Statt von Hongkong fahren wir nun ab Qingdao in China und statt nach Manzanillo geht’s nach Ensenada. Und statt September fahren wir nun auch ein bisschen später. Aber es ist immer noch Mexiko, und wir freuen uns schon jetzt auf diesen Teil unserer Reise.
Mit einem slow boat wie diesem tuckern wir den Mekong nordwärts. Es geht langsam voran, etwa 20 km/h im Schnitt, aber es ist ein angenehmes Reisen und gefällt uns gut.
  • Noch bevor wir überhaupt von Laos nach Thailand weiterreisen, bekommen wir beim Frühstück in Huay Xai einen Crash-Sprachkurs von der netten Thailänderin Arh, die uns die Smalltalk-Basics auf Thai beibringt und uns fit für Land Nummer 18 macht. Besonders im Kopf bleibt uns ihr “Smile!” und “It’s fun!”. Beides scheinbar wichtig in ihrem Heimatland 🙂
  • Ab dem Länderwechsel zwischen Laos und Thailand begegnen uns zum ersten Mal auf dieser Reise Kakerlaken im Zimmer. Ehrlich gesagt haben wir sie schon seit langem erwartet, aber wirklich freuen tun wir uns nicht, als nun tatsächlich welche auftauchen…
  • Eine Woche lang stoppen wir im gemütlichen Chiang Rai im Nordosten Thailands, genießen den vor Blumen und Pflanzen strotzenden Garten unseres Guesthouses, lassen uns das vorzügliche Essen schmecken, arbeiten am Blog und kümmern uns um die weitere Reiseplanung.
Unser mobiles Büro im Garten mit vielen Bananen als Nervennahrung 🙂
  • In Chiang Mai, der größten Stadt in Nordthailand, machen wir dann endlich mal wieder Couchsurfing. Joey und ihr 10-jähriger Sohn Khunkao sowie die zwei Katzen Morning und Midnight bieten uns ein Zuhause auf Zeit. Gemeinsam gehen wir abends essen, helfen bei den Mathe-Hausaufgaben, verköstigen die beiden mit Salzstangen und hören von Joey, wie es ist, neben ihrem regulären Job als Psychologin auch noch als Fahrerin für die Taxi-App Grab zu arbeiten.
  • Nach Chiang Mai haben wir erst mal genug von Städten und Tempeln. Obwohl es wirklich tolle alte Bauten zu besichtigen gibt, sehen irgendwann doch alle einfach gleich aus.
  • Und so ändern wir unseren Reisemodus radikal und mieten uns für 10 Tage ein Auto! Es soll ein Roadtrip durch die Natur Nordthailands werden, bei dem hoffentlich endlich unsere Zeltausrüstung mal wieder zum Einsatz kommen wird.
Abendessen mit Joey und Khunkao. Wieder mal war Couchsurfing genau das, was wir wollten: weniger Sightseeing, dafür aber Kontakt zu Einheimischen.

Wie sah es in diesem Monat mit Fettnäpfen oder skurrilen Situationen aus?

  • Beim Einchecken in unsere Ferienwohnung in Kunming sind wir noch nicht ganz glücklich. Wir hatten eine gemütliche kleine Wohnung mit Sitzbereich erwartet, doch hier steht im Wohnzimmer nichts außer einem Stockbett und zwei harten Hockern. Von einem Sofa keine Spur. Unser Vermieter scheint unsere Verwunderung zu bemerken und hält uns vorsichtig sein Handy vors Gesicht, auf dem wir lesen: „Sehen Sie zufrieden aus?“. Jetzt müssen wir doch lachen. Generell ist es verblüffend, was Dank neuer Technik alles geht und wie gut wir mit Hilfe seiner Übersetzungs-App kommunizieren können.
  • In Laos werden wir bereits an einem der ersten Tage mit unserem stereotypen Südostasien-Backpacker konfrontiert: Anfang 20, verhandelt er mit größter Verbissenheit mit den Taxifahrern, dass es uns unangenehm wird. Auch auf unseren Hinweis hin, dass es mittlerweile nur noch um umgerechnet 20 Cent Differenz geht, kann er nicht nachgeben. So fahren wir am Ende alleine mit dem Taxi, während er nach einer achtstündigen ermüdenden Busfahrt lieber durch Hitze und Staub die Hauptstraße entlangläuft.
  • In Thailand sind Cat Cafés voll angesagt. Es sind normale Cafés, in denen sich neben den Besuchern zusätzlich Katzen aufhalten. In dem von uns besuchten sind es bestimmt 25 Katzen, die dort auf ihren Katzentreppen dösen, Gästen ihr Essen stibizen oder sich streicheln lassen.
Immer wieder lustig in China (und übrigens auch Thailand) sind für uns schräge T-Shirt-Aufdrucke, die ganz selbstverständlich getragen werden. Ob die Besitzer wohl wissen, was sie bedeuten?
Und diese sind wohl unsere skurrilsten öffentlichen (Damen-)Toiletten bislang. Zwar sauber, aber doch ein bisschen zu einsichtig für unseren Geschmack…

Unser Fazit des fünfzehnten Monats:

Alles neu macht der Mai? In Bezug auf unsere Containerschiffreise auf jeden Fall! Aber sehr schnell war statt Ärger vor allem Freude da. Was nun alles auf einmal möglich ist! Seit einem halben Jahr hatten wir unsere Reise auf dieses Fixdatum im September ausgerichtet und nun fällt dieser Termin einfach flach. Wir haben die Gelegenheit genutzt, nochmal neu zu überlegen, welche Länder uns reizen und wie viel Zeit wir in Asien noch verbringen möchten. Statt September wird es nun im November über den Pazifik gehen und wir freuen uns schon sehr auf Japan. Wir hoffen, dass wir das chinesische Visum wie geplant bekommen werden, aber diese Unwägbarkeiten gehören zu dieser Reise dazu und wir denken positiv.

Diesen Monat waren wir wieder viel unterwegs! Nach dem verrückten China, genauer gesagt Sichuan und Yunnan, wo wir nur sehr wenigen ausländischen Touristen begegnet sind, reisen wir nun durch die wohl touristischste Gegend Asiens. Es ist ein großer Unterschied für uns. Manches wird einfacher, beispielsweise die Kommunikation, anderes aber auch schwieriger, wie der Kontakt zu den Einheimischen. Wir freuen uns schon sehr darauf, bald Freunde in Singapur zu treffen und endlich mal wieder Zeit mit uns schon lange vertrauten Menschen zu verbringen.

Wir sind angekommen in Südostasien!

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