Von Samarkand und einem Express-Visum

Sebastian macht Akrobatik vor dem Registan in Samarkand

Angekommen. Nach einer Woche Roadtrip durch die Natur Usbekistans machen wir die Türe hinter uns zu. In Samarkand sind wir in einem der einschlägigen Hostels für Über-Land-Reisende gelandet. Im Eingangsbereich haben wir ein Paar aus Schweden kennengelernt, die mit ihrem umgebauten Saab 900 schon in fast jedem Land der Erde Station gemacht haben. Auch zwei deutsche Duos, die mir riesigen Unimogs unterwegs sind, haben hier Quartier bezogen. Im Gang steht ein Motorrad aus der Schweiz. Und dann entdecken wir auf einmal das spanische Pärchen, dass wir bereits bei der turkmenischen Botschaft in Teheran kennengelernt hatten.

Viele interessante Menschen, ein Jeder mit seiner eigenen, spannenden Reisegeschichte im Gepäck. Doch bevor wir mit ihnen sprechen wollen, um sie kennenzulernen, um Erfahrungen, Reisetipps und Ideen für die Weiterreise mit ihnen auszutauschen, brauchen wir ein bisschen Zeit für uns. Weshalb nicht einfach drei oder vier Tage oder vielleicht sogar länger in der Stadt bleiben?

Fußgängerzone in Samarkand in Usbekistan
Am Ankunftstag schlendern wir gemütlich durch die Fußgängerzone Samarkands
Bibi-Khanyum Mausoleum in Samarkand
Unser Weg führt uns zum Bibi-Khanum Mausoleum, dem wir einen Besuch abstatten
Die Kuppel des Bibi-Khanum Mausoleums von Innen
Das Innere des Mausoleums ist reich verziert. Hier: Blick auf die Innenseite der Kuppel.
Registan in Samarkand bei Nacht
Als es dunkel wird, erreichen wir die überwältigende Haupt-Sehenswürdigkeit der Stadt: Den Registan
Menschen schauen von einem Geländer aus auf den Registan in Samarkand
Das Ensemble von drei Medresen ist bei Nacht besonders spektakulär und lockt viele Besucher an
Leo sitzt vor dem Registan
Die historischen Gebäude stammen teils aus dem 15. Jahrhundert
Der beleuchtete Registan in Samarkand
Unserer Meinung nach zu Recht wird der Registan als “einer der prächtigsten Plätze Mittelasiens” bezeichnet

Unser Roadtrip mit Thomas aus Liechtenstein war einerseits toll; an viele der besuchten Orte wäre wir ohne eigenes Fahrzeug einfach gar nicht gekommen. Andererseits mussten wir bezüglich Reiseroute und Aufenthaltsdauern auch Kompromisse eingehen. So freuen wir uns, dass wir nun wieder selbstbestimmt unsere Zeit einteilen und unseren weiteren Reiseverlauf planen können.

Soweit die Theorie. Doch in der Praxis sieht es anders aus. Als wir nach einem netten Abend in Samarkand und einer erholsamen Nacht im Hostel am nächsten Morgen beim Frühstück sitzen, sind wir bereit für Smalltalk mit den anderen Gästen. Und dabei gibt es nur ein Thema: Den Pamir Highway! Alle Reisende, mit denen wir uns unterhalten, sind entweder auf dem Weg zum Pamir Highway oder auf der entgegengesetzten Route gerade von dort zurückgekehrt. Letztere, die die zweithöchst gelegene befestigte Fernstraße der Welt bereits befahren haben, kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Mit glänzenden Augen erzählen uns Catharina und Bert aus Schweden von ihren Abenteuern im tadschikischen Hochgebirge. Sie berichten von tiefen Schluchten, schneebedeckten Bergen und von einer von Schlaglöchern durchsiebten Straße, die hunderte Kilometer an der tadschikisch-afghanischen Grenze entlangführt. Mit dem Laptop auf dem Arm berichten die beiden eindrücklich von ihren Erfahrungen und zeigen uns ein Best-of ihrer Fotos vom Pamir Highway…

…und plötzlich sind wir infiziert! Tadschikistan liegt eigentlich überhaupt nicht auf unserer geplanten Reiseroute. Eigentlich wollen wir von Usbekistan aus über das Ferghanatal direkt nach Kirgistan reisen. Weshalb Tadschikistan nicht eingeplant ist? Bis dato hatten wir einfach keinerlei Informationen über dieses Land. Nicht aus dem Fernsehen, niemand, den wir kennen, ist je dort gewesen und im Internet informiert haben wir uns auch nicht. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich bis vor Kurzem kaum, dass Tadschikistan überhaupt existiert. Gut, den Namen des Landes hatte ich natürlich schon gehört, aber sonst war es für mich ein weißer Fleck auf der Landkarte. Apropos Landkarte, nicht einmal hier hätte ich Tadschikistan bis zu diesem Zeitpunkt annähernd richtig einzeichnen können.

“Aber warum eigentlich nicht?”, denken wir uns. Schließlich haben wir die Freiheit und Zeit, unsere Pläne kurzfristig zu ändern. Auch dafür sind wir ja unterwegs. Um ein Jahr lang zu machen, was wir wollen, um uns mal treiben zu lassen, um spontan zu entscheiden. Doch Moment, wie sieht es eigentlich mit der Sicherheit aus? Schließlich verläuft ein großer Teil des Pamir Highway direkt an der afghanischen Grenze. Und was ist mit dem Visum? Lässt sich das so einfach besorgen?

Alle Reisende, die gerade aus Tadschikistan kommen, versichern uns, dass der Pamir Highway sicher ist. Na klar, ihnen ist nichts passiert, sonst wären sie jetzt ja auch nicht hier. Haben sie einfach Glück gehabt? Ein Risiko für Leib und Leben möchten wir nicht eingehen. Doch nach einer intensiven Internetrecherche und einem Anruf bei der Deutschen Botschaft in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe sind wir überzeugt: Im Moment ist der Pamir Highway sicher. Jedenfalls so sicher wie eine Reise im abgelegenen Pamir-Hochgebirge im Grenzgebiet zu Afghanistan eben sein kann. Und das benötigte Visum kann man Dank des neuen E-Visum-Verfahrens über Nacht online beantragen.

Thomas aus Liechtenstein, der einen Abstecher nach Tadschikistan ohnehin eingeplant hat, hat sich spätestens jetzt ebenfalls entschieden. Bereits am nächsten Morgen will er in Richtung Duschanbe aufbrechen – spätestens! Er bietet uns an, ihn in seinem Toyota-Van zu begleiten. Ein sehr verlockendes Angebot, da wir aus der zurückliegenden Woche wissen, dass man mit ihm ganz gut auskommen kann 🙂 Doch morgen schon weiter? Eigentlich wollten wir ein paar Tage entspannen und Samarkand entdecken. Zum Glück können wir Thomas überreden, noch einen weiteren Tag in Samarkand zu bleiben. Mehr ist nicht drin, Thomas will los…

Basar in Samarkand
Unsere verbleibende Zeit in Samarkand nutzen wir für einen Ausflug zum Basar
Menschen an einem Marktstand, an derm Kohl verkauft wird
An zahlreichen Ständen wechseln hier allerhand Lebensmittel den Besitzer
Menschen auf dem Basar in Samarkand
Dank unseres Tele-Objektivs können wir die Eindrücke weitgehend unbeobachtet einfangen
Eine Frau verkauft Brot auf dem Basar von Samarkand
Während diese Dame noch auf Kundschaft wartet…
Menschen kaufen Brot an einem Stand auf dem Basar
…hat dieser junge Mann bereits alle Hände voll zu tun.
Ein Mann verkauft Salat auf dem Basar von Samarkand
Die angebotenen Salate sehen schmackhaft aus, doch wir trauen uns nicht, sie zu probieren
Trockenfrüchten und Nüssen auf einem Marktstand
Bei den leckeren Trockenfrüchten und Nüssen schlagen wir schließlich zu

Die verbleibende Zeit in Samarkand nutzen wir zum Sightseeing und für die Reisevorbereitungen für Tadschikistan. Dazu gehören das Waschen unserer Wäsche und natürlich die Beantragung des E-Visums. Beinahe wäre unsere Weiterreise an letzterem gescheitert, denn die Bezahlung des Visums über das Internet muss “verified by Visa” sein. Das kannten wir bis zu diesem Zeitpunkt nicht und können es auf die Schnelle auch nicht einrichten. Freundlicherweise hilft Thomas bei der Bezahlung aus und wir können ihm die Kosten später in Dollar erstatten.

Sebastian liegt in einem Bett. Eine Wäscheleine ist durch das Zimmer gespannt.
Da die Wäsche über Nacht trocken werden muss, improvisieren wir mit einer selbstgespannten Wäscheleine in unserem Zimmer

Und dann geht es auch schon los. Wie (fast) immer schaffen wir den Absprung aus dem Hostel erst gegen Mittag. Doch zum Glück kommen wir gut voran und erreichen am Abend die letzte Stadt vor der tadschikischen Grenze. In Denov wollen wir übernachten und treffen im einzigen bezahlbaren Hotel der Stadt zufällig Ichiro aus Japan, der den Pamir Highway mit dem Rad befahren möchte. Absurderweise ist es im Hotel billiger, zwei Doppelzimmer jeweils zur Einzelbelegung zu buchen, als gemeinsam in einem Zimmer zu übernachten. Unsere kritische Nachfrage zu dieser Kuriosität führt zu keinem Ergebnis und so verlassen wir die Rezeption mit Schlüsseln für zwei separate Zimmer. Geschlafen haben wir aber dann letztlich doch nur in einem 🙂

Ein großer Schriftzug, auf dem "Samarqand" zu lesen ist
Wir verlassen Samarkand. Es geht hinauf in die Berge.
Berglandschaft in Usbekistan
Hübsche Berglandschaften – ein Vorgeschmack auf den Pamir Highway?
Leo neben einem roten Kleintransporter auf einer Gebirgsstraße
Rotes Auto vor rotem Gestein
Ein Toilettenhäusschen am Staßenrand
Ein idyllisches “Stilles Örtchen” am Straßenrand 🙂
Ein Mann holt einen Brotlaib aus einem Ofen
Unterwegs bekommen wir Hunger und halten bei einer traditionellen Bäckerei
Brotlaibe kleben an der Wand eines Steinofens
Die Teigfladen werden an die Wand eines holzbefeuerten Steinofens geklebt
Sebastian mit zwei Kindern neben einem Brotofen
Erinnerungsfoto mit den Bäckern…
Leo mit zwei Frauen neben einem Brotofen
…und mit den Damen des Hauses
Gebirgsstraße bei Denov in Usbekistan
Weiter geht die Fahrt nach Denov durch eine beeindruckende Berglandschaft
Ein Mähdrescher erntet ein Getreidefeld ab
Schließlich wird das Gebirge durch fruchtbares Ackerland abgelöst
Baumwollpflanzen auf einem Feld
Plötzlich entdecken wir eine Baumwollplantage – das müssen wir uns näher ansehen!
Leo mit drei Bauern auf einem Baumwollfeld
Der Feldbesitzer und seine Kollegen freuen sich über unseren Besuch und schenken Leo eine Baumwollpflanze
Ein Mann hält eine Heuschrecke in der Hand
Soweit es die Verständigung auf Russisch zulässt, beantworten sie uns bereitwillig alle Fragen
Sebastian mit drei Männern auf einem Baumwollfeld
Noch sind die Pflänzchen klein. Ob wir auf dieser Reise wohl noch die Baumwollernte erleben werden?
Schafe grasen auf einem abgeernteten Feld
Das Nachbarfeld ist bereits abgeerntet. Eine Schafherde freut sich über die liegengebliebenen Erntereste.

Den Abend beschließen wir mir einem gemeinsamen Abendessen mit Thomas und Ichiro. Vorfreude mischt sich mit Aufregung und wir reden noch lange über unsere bevorstehende Fahrt durch Tadschikistan. Wird es tatsächlich so spektakulär werden, wie von den Reisenden in Samarkand berichtet? Ist es dort wirklich sicher? Werden wir mit Höhen über 4.000 m gut zurecht kommen? Und vor allem: haben wir überhaupt das richtige Visum? Morgen wissen wir mehr…

Sebastian sitzt mit Thomas und Ichiro an einem Tisch
Abendessen mit Thomas und Ichiro an unserem letzten Tag in Usbekistan

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