Seit zehn Monaten unterwegs

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Was haben wir gemacht, im Monat Dezember, unserem zehnten Reisemonat?

Im Dezember steht endlich Urlaub auf dem Programm! Doch bis es soweit ist, statten wir der Wüstenstadt Jaipur einen Besuch ab und machen mal wieder Couchsurfing. In Mumbai kommen wir bei einer tollen indischen Familie unter und verbringen ein Wochenende voller Programm mit ihnen. Danach heißt es dann aber: Ab an den Strand, den wir für drei Wochen nicht mehr verlassen!

 

Welche Momente im Dezember werden uns in guter Erinnerung bleiben?

  • Die Stadt Jaipur ist für uns vor allem laut, voll und hektisch. Doch zum ersten Mal sehen wir Dromedare und Affen auf den Straßen. Das beeindruckt uns fast noch mehr als die alten hübschen Gebäude, die es anzuschauen gibt.
  • Für die Nachtzugfahrt von Jaipur nach Mumbai konnten wir leider nur noch ein einziges Bett ergattern und stellen uns auf eine unbequeme Nacht zu zweit auf der schmalen Pritsche ein. Doch der Schaffner nimmt sich unserer an, findet ein leeres Bett, tauscht es für uns mit einem anderen Fahrgast und so kommen wir am Ende viel bequemer als erwartet unter. Sehr nett finden wir das!
  • In Mumbai machen wir zum ersten Mal seit langem wieder Couchsurfing. Bei Dheeraj, seiner Frau Mona, Tochter Divija, Sohn Aarush und der alten Auntie dürfen wir das Wochenende verbringen und stellen Mona vor die große Herausforderung, dass ihr „überhaupt nicht scharfes“ Essen für uns leider immer noch ganz schön scharf ist 🙂 Zum Glück können wir mit viel Joghurt gegensteuern.
  • Einen Tag lang erkunden wir alleine die Stadt, am nächsten machen wir einen Ausflug mit Dheeraj auf die Insel Elephanta, auf der wir alte Höhlen anschauen und nebenbei die Affen beobachten, wie sie indischen Touristen Trinkflaschen und kleine Fotoapparate klauen. Am letzten Tag unseres Wochenendes in Mumbai werden wir zu einem Ausflug zu einem Jain-Tempel eingeladen und verbringen einen tollen Tag mit unserer Couchsurfing-Familie und ihren Freunden. Der Tag geht so schnell vorbei, dass wir abends mit 30-minütiger Verspätung bei unserem Nachtbus ankommen, der freundlicherweise auf uns gewartet hat und uns sicher nach Goa bringt.
Am Ende unseres Sonntagsausflugs ist noch Zeit für ein Erinnerungsfoto: ganz links die befreundete Familie, in der Mitte Monar mit Aarush und Dheeraj mit Divija, dann wir :-)
Am Ende unseres Sonntagsausflugs ist noch Zeit für ein Erinnerungsfoto: ganz links Auntie und die befreundete Familie, in der Mitte Mona mit Aarush und Dheeraj mit Divija, dann wir 🙂
  • In Goa, genauer gesagt in Agonda, treffen wir meine Augsburger Freundin Kathi, die dort für einen Workshop ist. Es ist das erste Mal seit langem, dass wir eine uns schon bekannte Person sehen und so freuen wir uns natürlich umso mehr!
  • In Agonda ist nun endlich mal Zeit für Urlaub vom Reisen. Eine Woche lange lassen wir es uns in einem hübschen Bungalow gut gehen und nutzen den vielen Platz, um unser ganzes Gepäck inklusive Rucksäcke zu waschen. Wir freuen uns über so viel abwechslungsreiches Essen, frische Kokosnüsse direkt von der Palme und natürlich das Meer vor der Türe!
  • Wir treffen vor Ort die „Overlander“ Bernd und Claudia aus Friedrichshafen, Matthias aus Freiburg mit seinen beiden Hunden Maya und Joey und die Dresdner Familie Anne, Jan, Loti und Flora mit Hündin Maddy, die allesamt mit ihren eigenen Fahrzeugen von Deutschland aus nach Agonda gefahren sind. Wir beschließen, zu ihnen ans südliche Strandende zu ziehen.
  • So schlagen wir nach einer Woche im Bungalow unser Zelt am Strand auf. Die Gegebenheiten sind rustikal, Toiletten und Duschen nutzen wir bei den Strandrestaurants, Essen gehen wir dort auch, aber dafür sind besonders die frühen Morgenstunden und Abende die tollsten Zeiten, an denen wir den Strand für uns alleine haben. Mit den anderen Reisenden verstehen wir uns bestens, die Nachbarschaft ist klasse und so manchen Abend verbringen wir gemeinsam kochend am Lagerfeuer.
Endlich mal selbst kochen, das machen wir immer gerne! Und Kochen über dem Feuer macht gleich noch mehr Spaß :-)
Endlich mal selbst kochen, das machen wir immer gerne! Und Kochen über dem Feuer macht gleich noch mehr Spaß 🙂
  • Die Tage in Agonda sind überraschend hundelastig: Matthias ist mit seinen beiden auf der Reise zu ihm gestoßenen Hunden unterwegs, die Dresdener Familie reist ebenfalls mit Vierbeiner und Claudia und Bernd haben Freundschaft mit den fünf Strandhunden geschlossen, die sie treu überallhin begleiten. So bleibt es nicht aus, dass es anfangs böse Revierkämpfe gibt, die sich mit der Zeit zum Glück aber legen.
  • In Agonda machen wir reisetechnisch gesehen – nichts. Wir besuchen nicht Alt-Goa, wir schauen uns keinen der anderen Strände an. Wir fahren zweimal ins benachbarte Palolem zum Abendessen, ansonsten genießen wir unsere Zeit an unserem eigenen Strand. Jeden Tag springen wir ins Meer, jeden Tag essen wir lecker, jeden Tag verbringen wir von morgens bis abends an der frischen Luft.
  • Auch Weihnachten feiern wir hier in Agonda am Strand. Gemeinsam mit Claudia, Bernd, Matthias und Christian, ebenfalls aus Deutschland für ein paar Monate hier vor Ort, sitzen wir mit den Füßen im Sand, genießen frischen Fisch vom Feuer und verbringen so ein ganz anderes Weihnachten als sonst.
Weihnachten in Agonda. Es gab zwar sogar einen Gottesdienst, aber so spät, dass wir uns für unser Bett entschieden haben.
Weihnachten in Agonda. Es gab zwar sogar einen Gottesdienst, aber so spät, dass wir uns für unser Bett entschieden haben.
  • Ich möchte Agonda nicht mehr verlassen, doch nach drei Wochen bekommt Sebastian kribbelige Füße. Dazu passt, dass wir endlich ein Projekt über die Plattform Workaway gefunden haben, in dem wir im Januar ein Weilchen arbeiten möchten. So brechen wir eines Abends dann doch auf und fahren mit dem Nachtbus hinein ins Landesinnere, ins kleine Örtchen Hampi.
  • Die Nachtbusfahrt ist anfangs furchtbar: Die Straßen sind schmal und kurvig und unser Fahrer fährt, als ob er ein Rennen gewinnen müsse. Ich bin kurz davor, mich zu übergeben und bin dankbar, dass wir dieses Mal im Bus ohne Klimaanlage sind und deshalb die Fenster öffnen können. Irgendwann schlafe ich zum Glück ein und kriege vom Fahrstil nichts mehr mit.
  • Hampi ist zwar klein, dafür aber touristisch komplett überlaufen, sowohl von indischen wie auch von ausländischen Gästen. Kurz vor Silvester anzukommen, war wohl nicht die beste Idee. Im Garten eines Guesthouses schlagen wir unser Zelt auf und spazieren durch die angrenzenden Reisfelder, besuchen einige der unfassbar vielen Tempel, wegen derer Hampi UNESCO-Welterbe geworden ist, und feiern hier ein sehr ruhiges und entspanntes Silvester.
  • Aufgrund des Welterbestatus‘ ist es in Hampi scheint‘s nicht erlaubt zu feiern und so endet im Guesthouse die Silvesterfeier um 22 Uhr. Das Lagerfeuer wird gelöscht, die Musik beendet und das Licht geht aus. Was die Gäste nun machen sollen? Zum Glück sind die vielen Felsformationen Hampis gleich neben dem Guesthouse und zudem ist Vollmond, so wandern auf einmal hunderte Gäste in Richtung der Boulderfelsen. Auch wir finden hier ein nettes Plätzchen, von dem aus wir bis 0 Uhr warten, das winzige Feuerwerk anschauen und um halb 1 bereits im Bett liegen.
  • Am 1. Januar besuchen wir den Virupaksha Tempel Hampis und lassen uns vom anwesenden Elefanten für das neue Jahr segnen. Es soll Glück bringen, lassen uns die Umstehenden wissen. Und das können wir unterwegs natürlich immer gebrauchen!
Saftige Reisfelder mit Palmen. So werden wir Hampi in Erinnerung behalten! :-)
Saftige grüne Reisfelder mit Palmen. So werden wir Hampi in Erinnerung behalten! 🙂

Wie sah es in diesem Monat mit Fettnäpfen oder skurrilen Situationen aus?

  • In Jaipur kommen wir abends erst spät ins Bett und sind todmüde. Morgens um 6.45 Uhr klingelt auf einmal das Telefon in unserem Zimmer und lässt uns aus dem Schlaf schrecken. Es ist der sonderbare Hotelangestellte, der uns zu seiner Yogastunde einlädt. Sebastian reagiert nicht begeistert, dafür aus dem Bett geklingelt zu werden, doch der Hotelangestellte kennt kein Mitleid. Es wäre jetzt eine gute Zeit und er wolle uns nur nett einladen, mitzumachen…
  • Dank des schwülen Wetters in Mumbai können wir uns in unserem Schlafzimmer bei Dheeraj und Mona kaum vor Moskitos retten. Sie bekommen von unserem Problem mit und die Moskito-Jagd artet zu einem regelrechten Marathon aus: über eine halbe Stunde erlegt Mona duzende Moskitos. Netterweise lässt sie uns ihren elektrischen „Tennisschläger“ da, so dass wir des Nachts noch bestimmt zwanzig weitere Moskitos erlegen, die unter der Türe hereingekommen zu sein scheinen.
  • Im öffentlichen Nahverkehr Mumbais bekomme ich zum ersten Mal Angst: Obwohl wir uns sogar auf Dheerajs Anraten Ticket für die erste Klasse gegönnt haben, ist der Zug so unglaublich überfüllt, dass ich mich frage, wie wir hier jemals wieder rauskommen sollen. Zu unserem Entsetzen sind die Türen des Zuges auch während der Fahrt geöffnet und als der Zug noch in den Bahnhof einfährt, springen bereits die ersten Fahrgäste aus dem fahrenden Wagon. Der freigewordene Platz wird in Sekundenschnelle von auf dem Bahnsteig Wartenden genutzt, die wie die Irren in den Wagon hineinspringen. Es geht zu wie im Taubenschlag und als der Zug endlich steht, haben bereits alle den Wagon verlassen bzw. betreten und wir stehen dicht gedrängt mit hunderten Pendlern in der Enge. Nein, ich möchte nicht während der Fahrt aus dem Wagon auf einen ohnehin schon überfüllten Bahnsteig springen müssen…
So leer wie hier wurde es nie wieder in den Nahverkehrszügen Mumbais. Glück für uns, dass wir am ersten Tag außerhalb der Rush Hour sogar gegen die Haupt-Fahrtrichtung unterwegs waren.
So leer wie hier wurde es nie wieder in den Nahverkehrszügen Mumbais. Glück für uns, dass wir am ersten Tag außerhalb der Rushhour sogar gegen die Haupt-Fahrtrichtung unterwegs waren.

Gibt es Tipps für kommenden Langzeit(welt-)reisende?

Eine mehrmonatige Reise ist kein Urlaub! Auch wenn man es sich nicht vorstellen mag, das Reisen ist anstrengend und es entsteht auch hier eine tägliche Routine: Wie kommen wir von A nach B? Wo schlafen wir? Was essen wir? Was machen wir? Diese Fragen lassen sich im Ausland meist weniger leicht beantworten als im bekannten Umfeld zu Hause.

Deshalb: Macht auch mal Urlaub! Wenn die Tempel alle irgendwann gleich aussehen, wenn die Leute einem irgendwann einfach zu viel auf die Pelle rücken und zu nerven beginnen, wenn man sich irgendwann abgespannt und lustlos fühlt, dann ist Zeit für Urlaub! In dem man einfach mal nichts machen muss, in dem man sich ein schönes Plätzchen zum Wohnen sucht und in dem man sich ein bisschen Normalität aufbaut: Den Obstverkäufer finden, das leckere Brot, das gute Restaurant, die freundliche Kokosnussverkäuferin und immerhin für ein Weilchen mal weiß, wo was zu bekommen ist, ohne jeden Tag immer wieder aufs Neue suchen zu müssen. Und irgendwann werdet ihr merken, dass es nun auch wieder gut ist mit Urlaub und ihr bereit seid, die Reise fortzusetzen. 🙂

Ist das nicht der perfekte Platz für Urlaub? Für uns auf jeden Fall!
Ist das nicht der perfekte Platz für Urlaub? Für uns auf jeden Fall!

Unser Fazit des zehnten Monats:

Den Urlaub hatten wir schwer nötig. Indien ist toll, aber Indien ist auch laut, teils schmutzig, voller Menschen, voller Eindrücke und manchmal einfach erschlagend. Von Goa hatten wir vorab nichts Gutes gehört, doch Dank Kathi, die genau dort ihren Workshop hatte, konnten wir uns eines Besseren überzeugen. Bestimmt gibt es viele Orte, die dem überlaufenen, yogabessenen, Alt-Hippe-eingenommenem Bild von Goa genau entsprechen. Agonda war zum Glück anders und so haben wir hier tolle drei Wochen verbracht!

Das Jahr 2017 ist nun vorbei und seit 10 Monaten sind wir schon unterwegs! Wir starten in das Jahr 2018 mit dem Wissen, auf einmal ganz offiziell „open end“ zu reisen und spinnen Ideen, wohin es gehen könnte. Es ist schön, dass unsere Reise nicht wie geplant schon in zwei Monaten zu Ende geht, es wäre wahrlich zu schnell für uns gewesen.

Auch euch wünschen wir ein schönes neues Jahr, möge es positive Überraschungen für euch bereithalten!

Ein frohes neues Jahr wünschen wir euch!
Ein frohes neues Jahr wünschen wir euch!

6 Comments

  1. Oh ja, das mit der Pause vom Reisen ist so wahr. Bei uns war es auch „zufällig“ in Indien so weit 😅 Nach zwei Jahren wollten wir 1 Monat in Auroville bleiben, sind dann aber über 10 Monate geblieben 🙈

    1. Oh wow, gleich 10 Monate! 😊 So lange haben wir uns dann doch nicht Zeit gekommen für den Urlaub, aber wir versuchen mittlerweile, einfach viel langsamer unterwegs zu sein, das ist auch sehr schön! 😊
      Liebe Grüße zu euch beiden!

  2. Liebe Leo,

    Reist so lange ihr könnt!! Es ist super und ich weiß wieviel Spaß das macht. Reist zu Ende, auch wenn es noch ein pasr Jahre sind. Es hält Euch sonst eh nicht lange irgendwo.

    Viele Grüsse,
    Ralf

    1. Danke Ralf, genau so haben wir uns das auch gedacht! 😊 Und wenn nicht jetzt, wann dann?
      Auch dir ein paar schöne Reisen dieses Jahr und liebe Grüße,
      Leo

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