Seit einem Monat unterwegs…

Ein kurzer Strandspaziergang bei grauem Wetter - mal ein fauler Tag ist klasse!
Wie läuft’s mit der Reise bislang?

Sieben Länder haben wir in den letzten Wochen besucht, in 15 Orten haben wir gestoppt. Unzählige Kilometer sind wir über Land gefahren, davon den allergrößten Teil mit Bus, Bahn und Schiff und nur wenige mit einem Auto. Acht Mal durften wir bei Privatpersonen zu Hause unterkommen und an ihrem Leben teilhaben. Bislang waren wir noch nicht ernsthaft krank, auch wenn wir schon den ersten Arztbesuch hinter uns haben. Und gestritten haben wir uns auch noch nicht! 😊

Wir sind noch im Genießermodus, so ganz am Anfang. Ein normaler Urlaub wäre jetzt schon wieder vorbei, unsere Reise hat jedoch gerade erst begonnen. Alles ist noch neu und frisch und ein Monat von einem ganzen Jahr – was ist das schon?

Bislang gab es noch keine Heimwehanfälle und leider muss ich es sagen: die Arbeit haben wir auch noch nicht vermisst. Aber in Gedanken sind wir oft bei Familie, Freunden und Kollegen und fragen uns, was dort gerade passiert, während wir unterwegs sind.

Nach Hause telefonieren - zum Glück gibt es auch andere kostenkünstige Alternativen
Nach Hause telefonieren – zum Glück gibt es auch kostenkünstigere Alternativen, um in Kontakt zu bleiben
Was sind unsere Erkenntnisse des ersten Monats?
  • Reisen macht Spaß! Wussten wir schon vorher, aber ist auch jetzt nach 5 Wochen noch so.
  • Wir hatten bisher nur ein doofes Erlebnis und zwar die Preisabsprache mit einem Taxifahrer (ein Klassiker?), sonst nur gute!
  • Es gibt so viele nette und hilfsbereite Menschen überall! Bei fast jedem noch so kleinen Problem sprang uns jemand helfend zur Seite. Und wenn er oder sie uns nur die Speisekarte übersetzt hat…
  • Die Drogeriekette dm hat uns bis Bulgarien bekleitet. Ab der türkischen Grenze sind deutsche Geschäftsketten wie Praktiker, Obi, Rossmann und eben dm deutlich weniger geworden bzw. verschwunden. dm beschriftet alle Produkte auch in nicht-deutschsprachigen Ländern trotzdem auf Deutsch. Ist das nicht komisch?
  • Bislang war es gar nicht so einfach, vegetarisches Essen zu bekommen… Ist nicht sooo dramatisch, ich bin keine Vegetarierin, aber jeden Tag Fleisch muss auch nicht sein. Ich vermute, es bleibt erst mal schwierig…
  • Das Zelt tragen wir bislang nur mit uns rum – gut, dass es immerhin leicht ist! 😊
  • Die Schlafsäcke haben wir hingegen schon oft gebraucht!
  • Ich würde lieber etwas anderes sagen, aber das Handy ist unser nützlichstes Gepäckstück. Es ist Navigationsgerät, Musikanlage, Tonaufnahmegerät, Notizblock, Computer, Russischlehrer, Wörterbuch, Briefkasten & Post und tatsächlich Telefon in einem… Wie war nochmal das Reisen vor den Smartphones? Kaum noch vorzustellen!
  • In Serbien und der Türkei darf in den meisten Restaurants noch geraucht werden… Eklig…
  • In Bulgarien wird Salat in ca. 1cm breite Streifen geschnitten und nicht wie in Deutschland gerupft. Wussten wir nicht und überraschten unsere Gastgeber so nichtsahnend mit einem „deutschen Salat“. Er hat ihnen und uns trotzdem geschmeckt, obwohl sie so über ihn gelacht haben… 😊
  • Bei unserer ersten Straßenkontrolle in der Türkei wurden wir nach der obligatorischen Frage, wo wir herkommen, direkt auf einen Tee mit dem Chefpolizisten eingeladen. Das hätten wir nun wahrlich nicht erwartet!
  • Übrigens: Weltreise hin oder her, nicht jeder Tag ist immer spannend! Herrlich sind auch mal die grauen und verregneten Tage (gab es bislang drei davon), bei denen wir einfach mal gemütlich nichts machen durften. Tut richtig gut, vorausgesetzt, man hat einen netten, trockenen und warmen Ort!
Graue Tage sind auch mal schön. Wenn es nicht überhand nimmt...
Graue Tage sind auch mal schön. Solange sie nicht überhand nehmen…
Und wie ist das nun mit Fettnäpfchen?

Eigentlich gab es kaum welche, aber manche dann doch… Erinnern können wir uns noch an folgende zwei Situationen:

  • In Sofia essen wir mit unseren Gastgebern Hristina und Petar ein wieder mal wunderbares Abendessen. Viele Leckereien sind in Schüsseln und Tellern auf dem Tisch verteilt, unter anderem frisches selbstgebackenes Brot. Ich bin eigentlich pappsatt und nehme mir deshalb das kleinste Brotstück vom Teller. Ich schaue es überrascht an – hat hier schon jemand abgebissen? Dann schaue ich Petar verwundert an – habe ich etwa sein Brot genommen? Habe ich. Ups, die Regeln des Essens vom gemeinsamen Teller nicht verstanden… Alle lachen und die Situation ist entschärft.
  • Während der Busfahrt von Warna nach Istanbul stoppen wir an einem Büro des Busunternehmens, Pinkelpause. Ich hechte aus dem Bus, um bei so vielen Damen nicht eine halbe Stunde anstehen zu müssen und tatsächlich, ich schaffe es auf einen der vorderen Warteplätze! Vor der Toilettentüre müssen wir der Klodame eine Lira bezahlen. Die Dame vor mir kramt ewig in ihrer Handtasche, ich habe das Lirastück passend, gebe es der Dame am Tresen, überhole die noch immer in ihrer Handtasche suchende Frau vor mir und öffne beherzt die Türe. Ach verdammt, nur ein Klo und das auch noch besetzt. Warum hat sie nicht abgeschlossen? Alle schauen mich an… Sorry, kann ich nur sagen und reihe mich dann doch wieder hinter der langsamen Frau ein. Peinlich… Übrigens: nicht-abschließbare Toilettentüren sind uns tatsächlich ab Belgrad zuhauf begegnet. Wir verstehen den Sinn dahinter nicht.
Unser geschätztes Mittagessen: Brot, Oliven, Käse, Gurke. Und zum Trinken gibt's Ayran.
Unser geschätztes Mittagessen: Brot, Oliven, Käse, Gurke und Ayran. Die Plastiktüten nutzen wir übrigens weiter… 🙂
Ob uns das Reisen bereits verändert hat?

Ein bisschen schon…

Wir sind entspannter unterwegs. Es gibt nur selbstverursachten Zeitdruck und die tatsächlich zu erledigenden Aufgaben sind sehr überschaubar. Wir sind noch offener mit neuen Leuten, neugieriger auf sie, kontaktfreudiger. Wir halten eine engere Kommunikation mit unserer Familie als vor der Abreise. Wir erleben viel, aber trotzdem vergeht die Zeit langsamer, weil sie mit mehr Neuem gefüllt ist als zu Hause. Deshalb fühlt sich dieser erste Reisemonat wohl auch schon viel länger an. Es gibt (noch) keine Routine oder auf jeden Fall eine ganz andere als in unserem „alten“ Leben, wo wir bei bestimmten Wochentagen schon wussten, wie sie verlaufen werden. Die Frage „Was ziehe ich heute an?“ entfällt, da wir sowieso nur die gleiche Auswahl an Klamotten zu Verfügung haben. Zudem treffen wir neue Menschen eh nur für wenige Tage. Es kennt uns keiner und wir haben keine Rollenerwartungen zu erfüllen. Wir sind die Fremden, die Ausländer, die Reisenden und wir werden genommen, wie wir sind, auch wenn wir an einem Samstagabend aus Versehen mit unseren Wanderschuhen in die Kneipe losziehen. Würde uns zu Hause nie passieren! Wir hoffen, dass wir hier keine neuen Stereotype über „die Deutschen“ kreieren… 😊

Was allerdings gleich geblieben ist: Wir wollen mehr Sport machen und uns bewegen, aber schaffen es kaum, das in unseren Tag zu integrieren. Bislang war Sebastian 2x joggen und Leo hat 2x Yoga und Pilates gemacht… Dafür haben wir nur einmal, nämlich in Wien, fern geschaut! Und es bislang nicht vermisst. Zum Lesen sind wir allerdings leider auch noch kaum gekommen.

Das Tolle an den letzten fünf Wochen? Morgens nicht zu wissen, wie der Tag wird. Was wir machen werden, wen wir treffen werden. Das ist klasse! Und dafür ist es toll, unterwegs zu sein!

Auch an Sebastians Bartlänge lässt sich die verstreichende Zeit erkennen :-)
Auch an Sebastians Bartlänge lässt sich die verstreichende Zeit erkennen 🙂
Haben wir nach den ersten Wochen etwas gelernt, was für kommenden Langzeit(welt-)reisende interessant sein könnte?
  • Bürokratische Dinge, wie ganz besonders die Absprachen mit der Krankenkasse, lassen sich besser vor der Reise noch zu Hause klären… Geht zwar auch von unterwegs, macht aber noch weniger Spaß. Unsere Gelassenheit vor der Abreise haben wir mittlerweile etwas bereut.
  • Visa von zu Hause aus zu beantragen ist nur in wenigen Fällen wirklich notwendig. Es gibt zwar vor der Reise ein gutes Gefühl, die „Eintrittskarte“ schon in der Hand zu halten, es schränkt aber auch ein. Wir wären z.B. gerne noch ein paar Tage länger in der Türkei geblieben. Das geht nun aber aufgrund unseres Iranvisums nicht. Dafür haben wir hier vor Ort keine Wartezeiten in Konsulaten oder ähnlichem abzusitzen. Hat beides seine Vor- und Nachteile, die man abwiegen muss.

 

Unser Fazit des ersten Monats?

Gut, dass wir das machen! 🙂 Wir haben zu Hause einiges aufgegeben, wir haben aber auch sehr viel gewonnen! Und das bereits im ersten Monat! Wir haben Couchsurfing für uns entdeckt und viele neue Freundschaften in unterschiedlichsten Ländern geschlossen. Wir haben die Möglichkeit, unsere Tage nach eingenen Wünschen zu gestalten (meistens jedenfalls, s. Visa :-)). Wir erweitern kulinarisch unseren Horizont und haben Länder besucht, in die wir für einen normalen Urlaub wahrscheinlich nicht hingefahren wären. Wir verbringen viel mehr Zeit draußen an der frischen Luft. Und ganz besonders, weil am aktuellsten, sind wir sehr begeistert, wie überaus freundlich wir in der Türkei aufgenommen werden, obwohl wir durch die Medien ein anderes Bild hatten und wir von sehr vielen Menschen gewarnt wurden, hier hinzukommen.

Abschiedsfoto mit einigen der netten türkischen Polizisten, die uns bei der Straßenkontrolle spontan auf einen Tee einluden.
Abschiedsfoto mit einigen der netten türkischen Polizisten, die uns bei der Straßenkontrolle spontan auf einen Tee einluden.

12 Comments

    1. Hallo Wolfgang,
      danke für Dein Lob zum Blog, wir freuen uns! Ob wir wohl auch bis Vietnam kommen werden…? 🙂
      Viel Spaß und genieße Deinen Urlaub!
      Liebe Grüße aus dem Osten der Türkei

  1. Was für tolle Idee eine solche Zusammenfassung des ersten Teils eurer Reise zu machen!

    Tut mir leid, dass das mit Petars Brotstück dir so peinlich war! Uns war es nur lustig 🙂 Und es war Petars Schuld auch! Normalerweise stellt man keine gebissene Stücke im gemeinsamen Teller 😉 !

    Liebe Grüße!

    1. Du Liebe, kein Problem mit dem Brotstück!:-) Ich habe dazu gelernt und Sebastian und ich lachen immer mal wieder über die Situation 🙂

      Wir freuen uns sehr, dass ihr so fleißig den Blog lest und immer so nette Kommentare schreibt!!

      Viele liebe Grüße zu euch!!

  2. Sehr schöne Zusammenfassung!!
    🙂 Lustig! In Brasilien schneidet man den Salat auch so wie in Bulgarien! Ich fand immer komisch, dass man in Deutschland es nicht tut… Es ist viel einfacher zu essen! 🙂
    Liebe Grüße (auch von Dorka und Lalli!)

    1. Schön, von dir und euch zu lesen! 🙂 Ja, ich finde das mit dem Salat auch geschickt, kannte es aber vorher noch nicht 🙂 Aber dafür sind wir ja unterwegs, um neue Sachen zu lernen!
      Viele liebe Grüße zu euch Vieren nach Budapest! 🙂

  3. Hallo Zusammen,
    toller Blog und sehr interessant wie man die Wäsche in der Türkei trocknet.
    Freu mich auf euern Bericht in Zentralasien, da schneidet man den Salat auch in Streifen;-)

    Gruß
    Sergius

    1. Hi Sergius,
      schön von Dir zu hören, freut mich! Das mit dem Salat scheint dann wohl gar nicht so ungewöhnlich zu sein 🙂 Wir sind gespannt, auf welche Kuriositäten wir noch so stoßen werden…
      Viele Grüße von uns beiden!

  4. Hi Sebastian
    schön Eure Reise zu verfolgen. Wünschen Euch weiter nur positive Erlebnisse. Wir – das sind die meisten Kollegen vom PrimeServ. Grüße auch an Deine nette Reisebegleiterin, welche wie ich denke die meisten der Beiträge schreibt.

    1. Hi Uwe,
      vielen Dank für Deine Grüße und die nette Rückmeldung zu unserem Blog! Die Grüße an Leo habe ich ausgerichtet 🙂
      Unsere Berichte schreiben wir in der Regel abwechselnd, der Autor ist immer unterhalb der Überschrift ersichtlich.
      Liebe Grüße an alle PrimeServ-Kollegen!
      Sebastian

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